Tierschutz als germanische Selbstverständlichkeit




Der bäuerliche Mensch: Stets umgeben von seinen treuen Begleitern, den Tieren.

Wer Tiere quält ist unbeseelt
weil Gottes guter Geist ihm fehlt.
Johann Wolfgang von Goethe

Die Größe einer Nation und ihr moralischer Fortschritt können danach beurteilt werden, wie sie ihre Tiere behandelt.
Mahatma Gandhi


Auch der unpolitische Angehörige deutschen Volkstums wird seine Abneigung gegen bestialische Tierquälereien nicht verleugnen können. Auch dann nicht, wenn er grundsätzlich multikulturellen Erscheinungen positiv gegenüber eingestellt ist – denn die Liebe zur Natur und zum Tier steckt tief in seinem Wesen und er wird sich, wenn auch ungewollt, gegen abartige Tötungsmethoden wie das Schächten sträuben. (1)


In Zeiten urbaner Verstädterungskultur, Bezuglosigkeit zur Natur und ihren Geschöpfen, totalem Wertewandel und blutleerer Vertechnisierung allerorten, empfindet der gesund gebliebene Mensch den bewussten Umgang mit der freien Natur als angenehme Quelle der Kraft. 


Das Entfliehen in die „ehrliche Natur“ als Befreiung zu empfinden wird auch von der tiefen Ablehnung eines entfesselten Kapitalismus gespeist. Ablehnung und Abwendung von einer Welt, in der nur mehr Gewinne und seelenlose Werte zählen – Abneigung gegen eine Welt, in der die Natur, das Tier und der Mensch nichts ist, die krankhafte Sucht nach Eigennutz, Gewinn und Macht hingegen alles.

Unsere germanischen Vorfahren gingen von einer göttlichen Ordnung der ganzen Tier- und Pflanzenwelt aus, was nirgends besser zum Ausdruck kommt als im uralten Edda-Spruch


Gott schläft im Stein,
träumt in der Pflanze,
erwacht im Tier,
und erkennt sich selbst im Menschen.


Die Natur ist heilig und der Mensch ist Teil dieser Natur – nicht ein übergeordnetes Individuum, welches in halb-göttlicher Position über die Natur zu herrschen hätte. Unsere Vorfahren lebten also in einer gesunden Eintracht mit der Natur – Werte wie Nachhaltigkeit oder Sparsamkeit waren selbstverständlich.


Das Halten von Nutztieren wie etwa Schweinen oder Ziegen ist bis in die frühe Zeit der Bandkeramik nachweisbar, was bedeutet, dass der germanische Mensch auf über 5.000 Jahre Tierhaltung zurückblicken kann. Der Umgang mit dem Haus- und Nutztier ist immer ein nachhaltiger: Das Tier wird nicht erniedrigt, es darf – gemäß seiner Möglichkeiten – am gemeinsamen Leben teilhaben. Wir geben Tiere Namen und empfinden daher das Markieren von Hunden, Ziegen oder Kälbern mit Sendern oder Ohrmarken als abstoßend. Massentierhaltung, enge Käfige oder gar Tierversuche sind strikt abzulehnen. 


Wer Tiere schlägt oder quält ist ein wertloser Mensch. Der hohe Stellenwert des Tieres wird auch in den unzähligen Fabeln und Volksmärchen veranschaulicht, wo Tiere als Freund oder Feind der Menschensprache mächtig sind und mit Charaktereigenschaften bedacht wurden: Der schlaue Fuchs, der störrische Esel oder der weise Rabe – kulturbedingt sehen wir im Tier eine gleichberechtigte Lebensform die im Stande ist zu lernen, zu fühlen, zu urteilen. Der Mensch ist Teil der selben evolutionären Kette – mit dem Unterschied, dass sich der Mensch seiner selbst bewusst geworden ist, dass im Menschen der Geist lebendig wurde und er Herr über seine Triebe und Instinkte geworden ist. (Mit fatalen Folgen wie die heutige Endzeit veranschaulicht.) 

Tiere sind nicht nur Lebewesen im organischen Sinne, sondern Geschöpfe, die ein eigenes Empfindungsleben führen, die Schmerz empfinden, Freude, Treue und Anhänglichkeit empfinden. Wer, der in die treuen Augen eines sterbenden Tieres geblickt hat, könnte dies bei gutem Gewissen leugnen?

Bis vor zweitausend Jahren war in den Menschen die Achtung vor der Natur so verinnerlicht, dass die daraus entstandene Weltanschauung gar kein Quälen von Tieren zulassen konnte. Der Mensch war eingebettet in die Jahreszeiten, lebte mit und für die Natur und ordnete sein Dasein nach dem Lauf der Sonne. Das Sonnenerlebnis ist nicht nur für den Menschen, sondern für alle Warmblüter ein besonderes Erlebnis. Die Symbole des Frühlings künden noch heute von dieser Weltsicht – auch wenn die Farb-Eier verschlingenden Konsummenschen den Sinn von Hase und Ei nicht mehr zu begreifen vermögen.


Wenn heute noch buddhistische Mönche ein Glöckchen bei sich tragen, um die Tiere des Waldes, die sie zertreten könnten, zum Ausweichen zu veranlassen, damit sie nicht zertrampelt werden, dann zeigt das, dass diese allumfassende Weltsicht bis heute lebendig ist – wenn auch nur von Wenigen gepflegt und gelebt: Aber lebendig.


Im Umgang mit dem Tiere veranschaulicht sich in wunderbarer Weise die Frontstellung der beiden Weltanschauungen: Hier die Ausbeutung und Knechtung des Tieres für schnöden Gewinn – dort Achtung und gute Behandlung, um gemeinsam gutes zu schaffen und die Natur für folgende Geschlechter lebenswert zu gestalten.




Quelle: 
Freies Österreich

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