1939 – Bevor der Zweite Weltkrieg ausbrach: Was passierte wirklich vor 75 Jahren

1939 – Bevor der Zweite Weltkrieg ausbrach: Was passierte wirklich vor 75 Jahren

von Etschtaler

 Was geschah im Frühjahr vor 75 Jahren?



Polen als Schwanz, der mit dem Hund England wedelt.


Am 31. März 1939 gab der englische Regierungschef Chamberlain seinem Parlament eine einseitige englische Erklärung bekannt, mit der er garantierte, daß England und Frankreich im Falle eines Krieges zwischen Deutschland und Polen dem Waffenbruder Polen alle in ihrer Macht stehende Hilfe gewähren. Nicht irgendein kleiner Grenzzwischenfall, sondern große einem Grenzzwischenfall zugrunde liegende Dinge könnten nach Meinung des englischen Premierministers schon die Ursache dafür sein, im Konflikt Polens mit seinem Widersacher – gemeint ist immer nur Deutschland – einzugreifen.


Durch diesen Blankoscheck hatte es Polen in der Hand, das gesamte britische Empire in einen globalen Krieg zu ziehen. Diese Position Polens ähnelte bis dahin noch dem Schwanz, der mit dem Hund England wedelt, was sich aber in den darauf folgenden Wochen und Monaten ändern sollte.
Zwei Wochen später erklärte dann auch der amerikanische Präsident Roosevelt auf einer Pressekonferenz, daß er einen Krieg der USA Schulter an Schulter mit England und Frankreich gegen das nazi-faschistische Deutschland für unvermeidlich hält.

England mobilisierte gegen Deutschland und warb europaweit für einen Krieg gegen den auserwählten Aggressor, wobei Italiens gleichzeitig stattfindender Überfall auf Abessinien wohl nicht als Aggression galt.


Bereits vom 11. bis 14. Januar 1939 weilten der englische Premier Chamberlain und sein Außenminister Halifax bei Mussolini in Rom und eröffneten dem Duce, daß England eine militärische Aktion zu einem sich nützlich erweisenden Zeitpunkt gegen Deutschland plant. Im Laufe der folgenden Monate strebte das demokratische England sogar ein Kriegsbündnis mit der Sowjetdiktatur an und versuchte auch Rumänien sowie Griechenland seine Garantie gegen den noch nicht aktiv gewordenen Aggressor Deutschland vergeblich aufzudrängen. 

Während seiner Werbekampagne für einen Krieg gegen Deutschland schien es die englische Regierung kaum zu interessieren, daß gleichzeitig Italien in den Ostertagen des Jahres 1939 Albanien überfiel und ins italienische Königreich eingliederte. Ein solches Ereignis hätte eigentlich an den 3. Oktober 1935 erinnern müssen, als Italien schon einmal ein Land überfiel, nämlich Abessinien, und auch damals schon zeigten sich die alten Siegermächte und führenden Völkerbundsratmitglieder England und Frankreich an diesem Kriegsverbrechen desinteressiert.

Dilettantisch und erfolglos buhlte Hitler mit seinem Flottenabkommen um England.
Hitlers Reaktionen auf die durch England gegen Deutschland in den letzten Wochen gerichteten Maßnahmen bestanden am 27. April 1939 in der Aufkündigung des am 18. Juni 1935 mit England abgeschlossenen Flottenabkommens sowie die Kündigung des seit 1934 bestehenden Nichtangriffspaktes mit Polen. 


Mit dem Flottenabkommen gab es ohnehin nur einen gebenden, nämlich den deutschen Teil, der den deutschen Flottenausbau auf 35 Prozent des englischen begrenzte und von der englischen Regierung in keiner Weise honoriert wurde und sich dadurch auch die deutsch-englischen Beziehungen nicht verbesserten. Die politische Bedeutung dieses Abkommens wurde von deutscher Seite aber so ausgelegt, als hätte Deutschland stillschweigend unter Umgehung des Völkerbunds die Flottenbegrenzung des Versailler Diktats aufgehoben und damit eine selbstverständliche Seeaufrüstung Deutschlands durch die Völkerbundsmitglieder als genehmigt betrachtet.

Polen mobilisierte seine Armee vertragsbrüchig an den Grenzen zu Deutschland.
Mit dem Bruch des deutsch-polnischen Freundschafts- und Nichtangriffsvertrages von 1934 durch Polens Beistandsvereinbarung mit England war Polen jetzt auch verpflichtet, bei einem deutsch-englischen Konflikt gegen Deutschland vorzugehen und hob damit von sich aus den Vertrag von 1934 mit Deutschland auf. Außerdem bestätigte Polen die Auflösung dieses Vertrages mit Deutschland durch die Teilmobilisierung der polnischen Truppen von zunächst 700.000 Soldaten an den Grenzen zu Deutschland, die aber im Zuge weiterer Truppenmobilisierungen bis zum Kriegsausbruch am 1. September 1939 aufgefüllt wurden.


Nach vergeblichen Versuchen im Jahre 1938, Deutschland gegen die Tschecho-Slowakei in einen großen Krieg zu hetzen, wurde 1939 die Deutschland 1919 geraubte alte deutsche Stadt Danzig als Köder ausgelegt.
Aus der Sicht Hitlers mußte bisher als einziges Problem zwischen der deutschen und der polnischen Regierung die Danzig-Frage verhandelt und geregelt werden. Den seit längerer Zeit ständigen Versuchen der deutschen Regierung, über Danzig zu verhandeln, ging die polnische Seite jedes Mal mit diplomatischem Geschick aus dem Weg.
Durch „Versailles“ und Völkerbund war die Freie Stadt Danzig geschaffen worden, weil Polen unbedingt einen Hafen an der Ostseeküste benötigte. Dieser wurde z. T. mit französischer Hilfe in Gdynia (Gdingen) gebaut. 

Neun Jahre nach Fertigstellung des polnischen Ersatzhafens in Gdynia lag dort die Warenumschlagsziffer höher als diejenige des Danziger Hafens, sodaß Polen den Danziger Freihafen eigentlich nicht mehr benötigte. Die polnische Regierung hatte sich aber mittlerweile in Danzig so viel Einfluß verschafft, arbeitete systematisch auf die Einverleibung Danzigs in den polnischen Staat hin und behauptete jetzt, daß sie nunmehr zwei Häfen benötigte.


Der Hohe Kommissar des Völkerbunds in der Freien Stadt Danzig, Graf Manfredo Gravina, schlug daher im Jahre 1931 eine Revision des Danzig-Status in einem Programm vor, mit dessen Vorschlägen später auch Hitler zur Befriedigung sowohl der polnischen als auch der deutschen Ansprüche an die polnische Regierung herantrat. Während der Sudetenkrise veranlaßte Hitler sein Außenamt, bei deutsch-polnischen Gesprächen vorsichtig die Danzig-Frage aufzugreifen und als deutsch-polnischen Verhandlungsgegenstand aufzubauen. Dabei nahm er nicht einmal Rücksicht auf die deutsche Stadt Oderberg im umstrittenen Olsa-Gebiet, die während des Überfalls Polens im Herbst 1938 auf die Tschecho-Slowakei mit seiner Zustimmung dem polnischen Staat wohlgefällig zum Fraß vorgeworfen wurde.

Von den durch „Versailles“ dem deutschen Reich entrissenen Provinzen kehrte ein Teil gewaltlos und ohne Völkerrechtsbrüche nach Deutschland zurück. Auf die Rückkehr von Elsaß-Lothringen, Ostoberschlesien oder Südtirol, also einen zweiten Teil, aber auch auf das erst im Jahre 1938 von Polen den Tschechen geraubte deutsche Oderberg, verzichtete Hitler, ohne das Volk zu fragen, und das sogar ganz offiziell gegenüber den neuen Besitzern Frankreich, Polen und Italien. Nur auf das dem Völkerbund unterstellte und immer stärker durch polnischen Gewalteinfluß beherrschte rein deutsche Danzig verzichtete der vor Willy Brandt bis dahin größte deutsche Verzichtspolitiker Adolf Hitler nicht. 


Hitler unterbreitete Ende März 1939 und auch schon davor der polnischen Regierung Vorschläge zur Lösung des Danzig-Problems. Später erinnerte der Chefdolmetscher im Auswärtigen Amt, Dr. Paul Schmidt, daran, daß sich Hitlers mehrmals der polnischen Regierung unterbreiteten Vorschläge von den Völkerbundsvorschlägen, insbesondere von denen des Völkerbundskommissars Graf Gravina, kaum unterschieden. 

Der von 1923 bis 1945 für das deutsche Auswärtige Amt tätig gewesene Chefdolmetscher traute seinen Augen nicht, als er Hitlers Angebote an Polen zu Gesicht bekam. Er fühlte sich in die Weimarer Zeit zurückversetzt und erkannte Hitlers Vorschläge nicht als Nazi-Vorschläge aus Berlin, sondern als alte Völkerbundvorschläge aus Genf. Über die Vorschläge Hitlers zur Regelung der Danziger- und Korridorfrage schreibt er in seinen Erinnerungen: „Als ich sie,…die bekannten Vorschläge Hitlers über die Regelung der Danziger- und Korridorfrage…, zu Gesicht bekam, traute ich meinen Augen nicht. 

Ich glaubte, wieder nach Genf zurückversetzt zu sein, denn diese Vorschläge, die eine Abstimmung im polnischen Korridor unter Aufsicht einer internationalen Kommission von Vertretern Englands, Frankreichs, Italiens und der Sowjetunion vorsahen, die Gdingen Polen überließen und nur Danzig Deutschland zuerkannten, und die auch Polen eine internationale Autostraße und Eisenbahn durch das eventuell deutsch werdende Gebiet konzedierten, waren von einem Geist getragen, der mit nationalsozialistischen Methoden und mit den von Hitler vorher in den zahlreichen Unterredungen geäußerten Gedankengängen wenig zu tun hatte. Es war ein richtiggehender Völkerbundvorschlag.“


„Die Polnische Regierung“, so beklagte Hitler, „hat hierauf jedoch eine Antwort gegeben, …die…auf eine Ablehnung des deutschen Angebots hinauslief.“

Im April 1939 schafften es aus verschiedenen Gründen die Demokraten der englischen Regierung noch nicht, die Diktatur Sowjetrußland in ihr Vertragssystem zur Vorbereitung eines Krieges gegen Deutschland mit einzubeziehen. So hielt die Funktion Polens England davon ab, den Sowjets in diesem Komplott eine gleichwertige Position wie die Englands und Frankreichs zuzugestehen; denn Polen wollte sein Staatsgebiet für den Durchzug der Roten Armee nicht opfern.

Nach ihren ein Jahr zuvor vergeblichen Versuchen, einen Krieg zwischen der Tschecho-Slowakei und Deutschland anzuzetteln, der durch hinterhältige Militärbündnisse zwischen England, Frankreich, der Tschecho-Slowakei und auch der Sowjetunion zu einem großen Krieg gegen den auserkorenen Aggressor Deutschland bereits im Jahre 1938 erweitert werden sollte, ließ sich Ende April 1939 schon erahnen, daß sich die Gegner Deutschlands ein drittes Mal etwas besonders Hinterhältiges einfallen lassen würden, um Deutschland 21 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg erneut zum Kriegsbrandstifter zu stempeln.

Etschtaler

 

Kommentare