Ottokar Kernstock »konnte« aber nicht bloß Hymnen

Ottokar Kernstock


Ein heute Vergessener ... ach, wenn er nichts weiter als vergessen wäre! — nein: ein heute unter polit-medialer damnatio memoriæ Verfemter! Einer, den man höchstens aus der boshaften Karikatur in Karl Kraus' »Letzten Tagen der Menschheit« kennen darf, einer, über den man im Antifanten-Siegesgefühl zu Gericht sitzt: hat denn der nicht das Hakenkreuz-Lied gedichtet? Na also ...
Na also? ... ... nun, und wie geht denn dieses ominöse Lied? So:


Das Hakenkreuz im weißen Feld Auf feuerrotem Grunde Gibt frei und offen aller Welt Die frohgemute Kunde Wer sich um dieses Zeichen schart Ist deutsch mit Seele, Sinn und Art Und nicht bloß mit dem Munde
Das Hakenkreuz im weißen Feld Auf feuerrotem Grunde Zum Volksmal ward es auserwählt In ernster Schicksalsstunde Als unter Schmerzen heiß und tief Das Vaterland um Hilfe rief Das teure todeswunde
Das Hakenkreuz im weißen Feld Auf feuerrotem Grunde Hat uns mit stolzem Mut beseelt Es schlägt in unsrer Runde Kein Herz, das feig die Treue bricht Wir fürchten Tod und Teufel nicht Mit uns ist Gott im Bunde


Ach, wie erschröcklich! Da stehen doch glatt Wörter wie »Vaterland«, und »stolzer Mut«, oder gar »Schicksalsstunde«! Darf man die p.t. Berufsantifanten vielleicht darauf hinweisen, daß bspw. der Text der »Marseillaise« (»Zu den Waffen, Bürger! / Formt Eure Schlachtreihen, / Marschieren wir, marschieren wir! / Bis unreines Blut / unserer Äcker Furchen tränkt! ... Heilige Liebe zum Vaterland, / Führe, stütze unsere rächenden Arme. / Freiheit, geliebte Freiheit, / Kämpfe mit Deinen Verteidigern! / Unter unseren Flaggen, damit der Sieg / Den Klängen der kräftigen Männer zu Hilfe eilt, / Damit Deine sterbenden Feinde / Deinen Sieg und unseren Ruhm sehen!«), die in Frankreich als Nationalhymne zu allen sich bietenden Gelegenheiten gesungen wird, alle Schrecklichkeiten dieses biederen Hakenkreuzliedes von Kernstock bei weitem übertrifft?

Und, noch peinlicher — Kernstocks ominöses Lied wurde nicht einmal für die NSDAP des gewissen Herrn H. gedichtet, sondern für die Fürstenfelder Ortsgruppe einer ephemeren DNSAP (»Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei«), die im Untergang der Habsburgermonarchie gegründet, und mit dieser in einen tschechoslowakischen und einen österreichischen Teil zerfallen war, über deren letzteren sogar die mangelnden Antifantentums höchst unverdächtige deutsche Wikipedia nur lapidar zu vermerken weiß, daß »... die österreichische DNSAP bald in der Bedeutungslosigkeit verschwand«.

Und, nochmals mehr als peinlich: das inkriminierte Lied wurde 1923 verfaßt — also zu einer Zeit, als die gleichfalls das Hakenkreuzsymbol führende NSDAP im Reichstag noch nicht einmal vertreten war. Und, am peinlichsten für die Antifanten: Ottokar Kernstock starb bereits 1928 (»als sich die NSDAP mit 2,6 Prozent der Stimmen begnügen mußte«, wie Wikipedia fast bedauernd feststellen muß über die damalige Bedeutungslosigkeit des kommenden größten, ach, was heißt!, des unvergleichlich großen-einzigartig-singulär-Bösen der Weltgeschichte) — also man muß schon sagen: irgendwie will die Modellierung Kernstocks als Nazi-Dichter nicht so recht klappen ...

Aber nein, das darf nicht sein, also organisiert man Unterschriftenaktionen, die Umbenennungen von Straßen und Plätzen verlangen (oder verfügt diese eben einfach »par ordre du moufti«, wie z.B. in Wien) — oder man inszeniert Pseudo-Skandale wie diesen hier:


Hohe Beamtin zitiert Hakenkreuz-Dichter

Eine Klagenfurter Beamtin hat bei einer Weihnachtsfeier ein Gedicht von Ottokar Kernstock zitiert. Der Dichter gilt als ein Wegbegleiter der Nationalsozialisten und hat unter anderem das "Hakenkreuzlied" geschrieben.

Überraschtes Staunen. So beschreibt ein Abteilungsleiter der Stadt Klagenfurt - er will anonym bleiben - die Reaktion seiner Kollegen bei der Weihnachtsfeier mit Claudia Koroschetz. Die Magistratsdirektorin gab ein Gedicht zum Besten: "In der Christnacht" von Ottokar Kernstock. Während dieses Werk unverfänglich ist, gilt das für seinen Verfasser nicht.

"Kernstock war kriegstreiberisch, völkisch und ein Antisemit", sagt Klaus Amann, Professor für Neuere Deutsche Sprache und Literatur an der Uni Klagenfurt. Der 1928 verstorbene Kernstock gilt den einen als Heimatdichter, den anderen als ein Wegbereiter der Nationalsozialisten. Sein "Hakenkreuzlied" lässt aber keinen Zweifel offen, wem darin Kernstocks Sympathien gelten.

Entweder hat dieser Professor Amann keine Ahnung von Zeitgeschichte (was blamabel, aber immerhin vorstellbar wäre), oder er versucht wider besseres Wissen einen leichenschänderischen Rufmord. Tertium non datur. Und wie lautet nun das Gedicht, das obigen »Skandal« auslöste? 


In der Christnacht

Ein Bettelkind schleicht durch die Gassen –
Der Markt läßt seine Wunder seh'n:
Lichtbäumchen, Spielzeug, bunte Massen.
Das Kind blieb traumverloren steh'n.

Aufseufzt die Brust, die leidgepreßte,
Die Wimpern sinken tränenschwer.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste –
Ich weiß kein Leid, das tiefer wär'.

Im Prunksaal gleißt beim Kerzenscheine
Der Gaben köstliches Gemisch,
Und eine reichgeputzte Kleine
Streicht gähnend um den Weihnachtstisch.

Das Schönste hat sie längst, das Beste,
Ihr Herz ist satt und wünscht nichts mehr.
Ein freudlos Kind am Weihnachtsfeste –
Ich weiß kein Leid, das tiefer wär'.

Doch gält's in Wahrheit zu entscheiden,
Wer des Erbarmens Preis verdient –
Ich spräch': Das ärmste von euch beiden
Bist du, du armes reiches Kind!
Boah! Da quillt doch nur so das Nazitum aus allen Poren — oder wie? Einfach men-schen-ver-ach-tend! Rass-ist-isch! Ach geht's doch, liebe Leutchen von der Antifa, ihr — pardon l'expression! — könnt uns doch mal ... ...

Nun, es sei durchaus konzediert: einem Priester wie Kernstock ziemten Haßgesänge wie die im Ersten Weltkrieg gegen Serben und Italiener geschriebenen nicht — nur: wer hier Splitter richtet, sollte auch die Balken in den Augen alliierter Kriegsdichter und -journalisten nicht übersehen. Und bedenken, daß nicht österreichische Terrorbanden vor 99 Jahren den serbischen Thronfolger erschossen haben, sondern umgekehrt! Daß nicht Österreich schändlich seinen durch einen Nichtangriffs- und Beistandspakt Verbündeten Italien im Stich gelassen und dann auch noch angegriffen hat, sondern umgekehrt!

Geradezu ekelerregend dreist jedoch wird der »antifaschistische« Aktionismus der Kernstock-Gegner in seiner Geburtsstadt: 


Keine Ehrung für Ottokar Kernstock

MARIBOR/MARBURG. Das Liberation Arts Project, eine Initiative österreichischer und amerikanischer Künstler, wird Anfang Oktober in Sloweniens Hauptstadt Maribor Plakate affichieren. Inhalt: Ottokar Kernstock soll die Ehrenbürgerschaft aberkannt werden. Der Priester und Dichter, 1848 in Marburg geboren, ist Autor unter anderem der Zeilen "Lasst die wilden Slawenheere nimmermehr durch Marburgs Tor / lieber rauchgeschwärzte Trümmer als ein windisch Maribor".

Unterstützt wird die Forderung in einem Brief an Bürgermeister Franc Kangler von Autoren wie Barbara Frischmuth, Karl-Markus Gauß, Arno Geiger, Elfriede Jelinek, Daniel Kehlmann, Alfred Komarek, Robert Menasse, Gerhard Ruiss, Ilija Trojanow, Peter Turrini und Klaus Zeyringer.

Ach ja? Ist die Gegenfrage erlaubt, was mit der damals größtenteils deutschen Bevölkerung Marburgs an der Drau (1890: von 19.898 Einwohnern nur 2.653 Slowenen), des heutigen »Maribor«, nach 1918 und erst recht nach 1945 passierte? Ist diese deutsche Bevölkerung einfach — verdunstet? Nein: sie wurde von den kommunistischen Partisanen Titos brutal abgeschlachtet oder vertrieben! Zwei meiner Urgroßtanten, damals schon in den Achzigern, wie mir mein Vater berichtete, harmlose alte Witwen, die niemandem etwas zuleide taten, wurden Anfang 1945, gnadenhalber mit einem Köfferchen in der Hand, in tiefster Winterkälte auf den Fußmarsch nach Graz geschickt, das sie allerdings — auf dem Weg erfroren oder verhungert, niemand weiß es — nie erreichten. Und da wagt es eine selbstgefällige Kulturschickeria, über Kernstocks leider nur zu prophetische Worte sich heute, nach solchen Greueltaten an der deutschen Minderheit in der Untersteiermark — für die sich das mittlerweile unabhängige Slowenien nie zu entschuldigen bemüßigt fand, von Wiedergutmachung wollen wir garnicht reden! — das Maul zu zerreißen? Ihm posthum eine Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, die nicht einmal der (weiß Gott!) deutschfeindliche Slowene und kommunistische Terrorbandenchef Tito antastete? Und ein linker Klüngel von subventionierten Systemschmarotzern aus Österreich unterstützt das noch — wirklich: man kann nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte!

Und ist es bloß Zufall, daß in diesem Zeitungsartikel zwar ein »slawenfeindliches« Zitat Kernstocks angeführt wird, aber ein ganz anders geartetes Gedicht, von Kernstock aus Anlaß der Abtrennung der Untersteiermark von der Steiermark nach dem Ersten Weltkrieg — die in flagranter Verletzung der Wilson'schen Waffenstillstandpunkte wohlweislich ohne  Volksabstimmung erfolgte, denn eine solche hätte wohl die Zerreißung der Steiermark ebensowenig gebilligt wie die (zeitgleich versuchte) Zerreißung Kärntens! — völlig unbeachtet verschwiegen wird? Ein Gedicht, das das gemeinsame Kulturwerk von »Deutschen und Wenden« (d.h.: den Slowenen, den »Windischen«!) in der Südsteiermark thematisiert:



Aber das Große, das Deutsche und Wenden
Einmal geschaffen mit rüstigen Händen,
Heimatbegeistert und brüderlich,
Kann kein Wandel der Zeiten zerbrechen.
Dankbar wollen wir´s künden und sprechen :
Steirischer Süden, Gott segne Dich!

Doch zurück zum Dichter: was man den beiden zuerst zitierten Gedichten wirklich vorwerfen könnte, ist, daß sie nicht eben poetischen Tiefgang haben — es sind nette Reimereien, von denen zwölf auf's Dutzend gehen, und die man bei Geibel, Scheffel & Co. bis zum Abwinken finden kann. War also Kernstock einfach ein seichter Gebrauchslyriker, den man getrost zwar nicht dem Scheiterhaufen der Bücherverbrennung — aber, sowas tun wir heute doch nicht, doch nicht wir! Wir wissen ja, daß wer Bücher verbrennt, auch bald Menschen bla ... bla ... bla ... — aber dafür dem Misthaufen des Flohmarkt-Antiquars überantwortet? Gemach, gemach! würde ich warnen ...

Denn Kernstock hat — allen gehässigen Malicen Karl Kraus' zum Trotz — eine ganze Reihe wirklich tiefempfundener, gedankenreicher Gedichte verfaßt, die einen Vergleich mit den weitaus bekannteren »Großen« des Lyriker-Olymps jener Jahrzehnte nicht zu scheuen haben. Und selbst sein sicher am weitesten verbreitetes Werk, der Text der Österreichischen Bundeshymne von 1929, »Sei gesegnet ohne Ende«, kann wohl jeden Vergleich mit anderen Hymnendichtungen bestehen:


Sei gesegnet ohne Ende,
Heimaterde wunderhold!
Freundlich schmücken dein Gelände
Tannengrün und Ährengold.
Deutsche Arbeit ernst und ehrlich,
Deutsche Liebe zart und weich –
Vaterland, wie bist du herrlich,
Gott mit dir, mein Österreich!
Keine Willkür, keine Knechte,
Off'ne Bahn für jede Kraft!
Gleiche Pflichten, gleiche Rechte,
Frei die Kunst und Wissenschaft!
Starken Mutes, festen Blickes,
Trotzend jedem Schicksalsstreich
Steig empor den Pfad des Glückes,
Gott mit dir, mein Österreich!
Laßt, durch keinen Zwist geschieden,
Uns nach einem Ziele schau'n,
Laßt in Eintracht und in Frieden
Uns am Heil der Zukunft bau'n!
Uns'res Volkes starke Jugend
Werde ihren Ahnen gleich,
Sei gesegnet, Heimaterde,
Gott mit dir, mein Österreich!
Das ist nun, fraglos, kein lyrisches Meisterwerk im Sinne Rilke'scher Duineser Elegien oder Hofmannsthal'scher Terzinen über Vergänglichkeit — aber welche Nationalhymne wäre das denn je gewesen? Doch es ist ein Text, aus dem Lobpreis der Heimat und ihrer Bürgertugenden in warm empfundenen Worten sprechen — und daß sich Österreich damals (und zwar quer durch alle Parteilager!) als »deutsches Land« empfand, könnte nur ein Geschichtsfälscher bestreiten.

Ottokar Kernstock »konnte« aber nicht bloß Hymnen. Nehmen wir selbst ein »simples« Stammbuchgedicht:


        Dein Büchlein ist von frommen, weisen Lehren, Von schwesterlichen Segenswünschen voll. Gern möcht' die vielen ich um einen mehren, Wenn ich nur wüßt', was ich dir wünschen soll. 
Sei gut ? Ach nein ! Vom Gutsein laß mich schweigen Du bist ja doch das treu'ste junge Blut, Das beste Frauenherz nennst du dein eigen, Für diese Welt bist du ja viel zu gut.
 Sei glücklich ? Sieh, das Glück lockt die Erkor'nen
Und küßt sie flüchtig und ist rasch entschwebt. Noch keiner starb von allen Staubgebor'nen, Der nicht ein Glück, ein schönstes, überlebt.
Jetzt fällt mir bei, was ich dir wünschen möchte: Das Leben ist ein mitleidloser Krieg, Da heißt's, wenn du nicht fallen willst, so fechte! Dem Starken nur gehört zuletzt der Sieg.
Drum möcht' ich dir als treuer Eckart sagen: Du freie Tochter unsrer Eisenmark, Laß deine Seele nicht in Ketten schlagen! Sei stark, sei stark, und noch einmal – sei stark!

Was immer man/frau gegen die Weltanschauung vorbringen mag (und es wird bei »man/frauen« ebenso viel, wie letztlich unerhebliches Geschwätz sein) — das Gedicht hat einfach Schwung und stimmigen Klang! Leider ist die Auswahl an Kernstock-Gedichten im »Gutenberg-Projekt« alles andere als gelungen. Es fehlen Perlen, statt dessen machen sich biedere Reimereien breit ...

Doch: weiß man leicht ein anderes Gedicht, das die doch so sattsam bekannte Analogie von Jahreszeiten mit Lebensaltern so gekonnt und originell zu variieren weiß, wie das folgende?


Im Herbst

Ich sang dem Lenz als junger Knab'
Gar süße Kantilenen.
Im Wald, am Strom, landauf, landab
Ließ ich die Weise tönen:
»Nun blüh'n viel Rosen auf der Welt
Zum Pflücken und zum Küssen.
Lass', Eros, mich, du starker Held,
Der Maienlust genießen!«
Was war mein Dank?
Den schärfsten Pfeil schoß mir geschwind
Ins Herz das arge Venuskind.
Da ward mein Mut vor Leide krank.

Als mir um Lippe sproß und Wang'
Der Männer stolze Zierde,
Erhob mein Mund mit Schallgesang
Des Sommers Pracht und Würde.
Der frommen Ceres galt mein Preis,
Dem Volke der Cikaden,
Dem großen Pan, dem Donn'rer Zeus,
Den Nymphen und Najaden.
Was war mein Dank?
Die Sommersonne stach mich wund,
Verbrannt hat mir der Durst den Schlund.
Und schnödes Wasser war mein Trank.

Als mählich sich mein Haar begann
Wie drauß' das Laub zu lichten,
Hob ich mit leiser Wehmut an,
Ein Lied dem Herbst zu dichten:
»Lyäos, mach die Trauben süß!
Pomona, schirm' die Gärten!
Schaff' Wild, behende Artemis,
Mit deinen Jagdgefährten!«
Was war mein Dank?
Die Götter kamen all in Hast,
Den Tisch bog ihrer Gaben Last
In Schüsseln und in Bechern blank.

O Herbst! Wohl füllst du Schrein und Faß
Und rundest meine Glieder :
Doch gäb' ich — ach, ich weiß nicht was,
Käm' Lenz und Sommer wieder.
Gern wollt' ich um ein Stückchen Brot
Mit heißem Schweiß mich plagen,
Wollt' gern der Minne süße Not
Und all ihr Herzweh tragen
Ganz ohne Dank.
Zu spät kommt mir der Überfluß.
Schal ist das Glück und der Genuß,
Wenn unsrer Jugend Sonne sank.

Und sind die kurzen Zeilen, die der reife Ottokar Kernstock »Einer jungen Frau« widmete (Widmung des Liederbuches »Unter der Linde«), an poetischer Schönheit wirklich so oft und so entschieden übertroffen worden, als daß man sie getrost vergessen könnte?


Du ruhst am Fenster, traumverloren späht
Dein Aug' hinaus ins graue Spätherbstwetter.
Da reißt der Sturm die Flügel auf und weht
In Deinen Schoß Dir eine Handvoll Blätter.

Wirf sie nicht fort, sind sie gleich regenschwer!
Und will ein einsam trüber Tag Dich quälen,
Dann lang' sie her! Ein Herbstblatt weiß oft mehr
Als hundert frühlingsgrüne zu erzählen.


Heute vor 165 Jahren, am 25. Juli des Revolutionsjahres 1848, wurde Ottokar Kernstock in Marburg an der Drau, unter dem Taufnamen »Otto« (den er erst als Priester des steirischen Augustiner-Chorherrenstiftes Vorau in den feierlicheren »Ottokar« vertauscht bekam) geboren. Die moralinsauren Besserwisser, die sich heute an ihm reiben und stoßen — wo werden sie in 165 Jahren sein? Aber Kernstock wird selbst dann vielleicht auf dem einen oder anderen verbliebenen Blatt mehr zu erzählen wissen, als hundert ... ... aber nein: »frühlingsgrün« sind die Blätter, die gegen ihn produziert werden, schon heute nicht ... 



Quelle
»Patria cara, carior Libertas«
 

Kommentare