20. Juli

Jedem geschichtsbewußten Mitteleuropäer steckt das heutige Datum wie ein Stachel im Fleisch. Selbsternannte "Retter Deutschlands" verübten damals einen der abscheulichsten Anschläge gegen ihren Oberbefehlshaber, mitten im erbarmungslosen Krieg. Das Hauptamt hatte die Schuldigen schnell ermittelt, mit Masse gingen sie der verdienten Strafe entgegen, nicht ohne vorher ein teilweise unwürdiges Verhalten vor den Kameras des Volksgerichts zu hinterlassen.

Unter den Militärs, den Diplomaten, den Industriellen, den Beamten, den Adlingen und deren Mitläufer soll ein besonders deutliches Besispiel hier stellvertretend für die Eidbrüchigen erwähnt werden: Wolf-Heinrich Graf von Helldorf. Dieser unwürdige Charakter, ein Leben lang von Trieben gesteuert, war wohl der Auffälligste der Angeklagten, ein Paradiesvogel, dem offenbar nur die Mitgliedschaft in der SA vor gräflichem Trübsal angenehm erschien und der sich das Vertrauen Adolf Hitlers erschlich. Mehrfach in Geldnöten, teilweise in erstaunlicher Größenordnung, wurde er von Hitler aus dessen Privatschatulle mit 6-stelligen Beträgen versorgt, um doch wieder in den Tiefen menschlicher Niederungen zu landen, wie schon ein Polizeipräsident der Weimarer Zeit, Isidor Weiss, vor ihm.

Als Dank für die Rettung aus ständiger Geldnot begab sich der Graf bereits 1938 !!! auf das schlüpfrige Parkett des Verrats und der Verräter. Seinem Führer eine Gefolgschaft vorspielend, die er innerlich nicht zu halten verstand, blieb Helldorf ein Bindeglied in den Verästelungen der Verräter, von keinem geachtet. Der, der ihn in Strafprozeßen oftmals verteidigte, der, der ihn hätte kennen müssen, hatte ihn im August 1944 zu richten. Ein anderes als das ergangene Urteil wäre Hohn gewesen! Am 12. August 1944 beschloß diese zwielichtige Figur sein erbärmliches Dasein.

Es war ihm nicht vergönnt das Werk und das Wirken derer zu erleben, die Deutschland retten wollten, um das zu schaffen, was heute Wirklichkeit ist.

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