Studie offenbart: Deutschlands Bildungssystem ist weiterhin katastrophal

Wie schon die PISA-Studie vor einigen Jahren hat nun auch eine Studie der Bertelsmann-Stiftung offengelegt, daß das bundesdeutsche Bildungssystem trotz unzähliger Reformen weiterhin krankt und an Ineffektivität leidet.

Ziel der Studie, die die Bertelsmann-Stiftung gemeinsam mit den Universitäten Jena und Dortmund vorgelegt hat, war es, zu ermitteln, wie gerecht und leistungsstark das Schulsystem in Deutschland ist. Ergebnis ist: trotz oder besser gesagt wegen diverser Experimente auf dem Rücken der Schüler hat sich das Bildungssystem kaum weiterentwickelt. Die Schwächen, die schon 2009 und 2010 festgestellt wurden, wurden bis heute nicht abgebaut und haben sich vielerorts eher noch verschärft.


Der Studie zufolge schneidet kein Bundesland wirklich gut ab – alle weisen zum Teil gravierende Mißstände auf. So beklagt Mecklenburg-Vorpommern eine Schulabbrecherquote von 13,3 Prozent, erwerben in Sachsen-Anhalt nicht einmal 37 Prozent die Hochschulreife und ist die Gefahr in Bremen in eine niedrigere Schulform abzusteigen 9,8-mal höher als in eine höhere Schulform aufzusteigen. Ähnliche Probleme weisen auch alle anderen Bundesländer auf. Der Direktor des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund, Wilfried Bos stellt fest, daß alle Bundesländer erheblichen Nachholbedarf haben.

Auch hat die Studie belegt, daß die soziale Herkunft der Kinder bzw. der Geldbeutel der Eltern noch immer eine international beispiellose Auswirkung auf die schulischen Erfolgschancen des Kindes hat. In keinem anderen OECD-Land ist Bildung so stark sozial definiert und damit abhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern wie in Deutschland. So ist sowohl die Lesekompetenz als auch die Wahrscheinlichkeit, eine Hochschule zu besuchen, stark davon abhängig, in welchen sozialen Verhältnissen das Kind aufgewachsen ist.


Die Lesekompetenz der Schüler hat sich seit der alarmierenden IGLU-Studie vor zehn Jahren nicht gebessert, Kinder aus niedrigeren sozialen Schichten liegen im Vergleich zu ihren gleichaltrigen Mitschülern um ungefähr ein Jahr zurück – und das bereits in der vierten Klasse. Die Durchlässigkeit des Bildungssystems ist fast nur nach unten gegeben. Auf einen Aufstieg innerhalb der Schulformen kommen 4,2 Abstiege.

Wenig überraschend ist, daß ausländische Kinder aufgrund massiver sprachlicher Defizite weiterhin deutlich schlechter abschneiden als ihre deutschen Altersgenossen. Berichtet wird von Familien, in denen kein einziges Familienmitglied lesen und schreiben kann.

Ein weiteres systemimmanentes Problem ist die bildungspolitische Kleinstaaterei in unserem Land. Es gibt in der Bundesrepublik über 100 verschiedene Schulformen, in jedem Bundesland wird zu jeder Landtagswahl eine neue bildungspolitische Sau durchs Dorf getrieben.

Die einzigen Profiteure des grottenschlechten staatlichen Bildungssystems sind die Privatschulen, denen von Eltern, die es sich leisten können, die Türen eingerannt werden. Obwohl die Zahl der Schüler insgesamt deutlich gesunken ist, ist die Zahl der Schüler an Privatschulen um drei Prozent gestiegen. Auch hier macht sich eine Spaltung der Gesellschaft bemerkbar, die Bildung und Erfolgschancen anhand des Geldbeutels der Eltern verteilt. Zahlreiche Bildungsökonomen warnen bereits vor einer neuen Klassengesellschaft, die letztlich nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinanderklaffen läßt, sondern auch erhebliches Potential ungenutzt läßt.

Bildungspolitik ist in unserem Land eines der letzten politischen Themen, in denen auch die etablierten Parteien noch nennenswerte Unterschiede aufweisen. Daher dient sie den Parteien als ideologische Spielwiese und Projektionsfläche, mit der sie zu jeder Landtagswahl ihre ideologische Klientel befriedigen können – das aber immer auf dem Rücken der Kinder, die von Schulreform zu Schulreform gejagt werden.








Die NPD spricht sich für eine Zentralisierung des Schul- und Bildungssystems aus, da die bildungspolitische Kleinstaaterei unter dem Deckmantel des Föderalismus nicht mehr zeitgemäß und mit der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse nicht vereinbar ist. Darüber hinaus müssen deutlich mehr Investitionen im Bildungssektor getätigt werden, um kleinere Klassen, die Neueinstellung tausender Lehrer und die technische Ausstattung auf angemessenem Niveau gewährleisten zu können. Es darf nicht hingenommen werden, daß in einigen Bundesländern über zehn Prozent der Unterrichtsstunden ersatzlos ausfallen und dann auch noch an Lehrern gespart werden soll. Erst vor Kurzem machte der Skandal die Runde, daß viele Lehrer über die Sommerferien hinweg gekündigt werden und dadurch alljährlich auf Arbeitslosengeld oder gar Hartz-IV angewiesen sind.

Die NPD lehnt sämtliche Experimente auf dem Rücken der Kinder ab, die nicht berücksichtigen, daß Kinder und Schüler einer möglichst individuellen und leistungsgerechten Betreuung bedürfen. Daher erteilt die NPD sowohl Gesamtschulexperimenten als auch der realitätsfernen Inklusion eine klare Absage.


Ronny Zasowk

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