Das Eiserne Kreuz – von 1813 bis zur Gegenwart


Ein herrlich illustrierter Prachtband würdigt ein deutsches Nationalsymbol

Als 1813 in den deutschen Ländern die allgemeine Erhebung gegen die napoleonische Fremdherrschaft begann, stiftete Preußens König Friedrich Wilhelm III. am 10. März, dem Geburtstag seiner verstorbenen Gemahlin Luise, mit dem Eisernen Kreuz einen ganz besonderen Orden als Tapferkeitsauszeichnung für die Befreiungskriege.

Anders als der von Friedrich dem Großen eingeführte Pour le Mérite war das Eiserne Kreuz, das nach dem Vorbild des Balkenkreuzes der Ordensritter von Karl Friedrich Schinkel gestaltetet wurde, nicht nur Offizieren vorbehalten, sondern wurde standesübergreifend verliehen. Jeder Soldat, vom Grenadier bis zum General, konnte sich den Orden verdienen, hatte er nur mehrfach seine Tapferkeit in der Schlacht unter Beweis gestellt. Letztlich überdauerte das Eiserne Kreuz die Befreiungskriege: Ab 1819 war es staatliches Symbol in Preußen, später im Deutschen Reich. 1870, 1914 und 1939 wurde es als Kriegsorden erneuert. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Eiserne Kreuz an Soldaten aller Dienstgrade verliehen. Seit 1956 ist es in stilisierter Form Kennzeichen der Bundeswehr, und der Reservistenverband der deutschen Streitkräfte trägt es noch in seiner ursprünglichen Form im Wappen.

Ursprung, Tradition und Geschichte dieses vor nunmehr 200 Jahren geschaffenen Nationalsymbols der Deutschen läßt Guntram Schulze-Wegener in einem großformatigen, herrlich illustrierten Prachtband, der vor kurzem im Ares-Verlag erschienen ist, wieder aufleben. In „Das Eiserne Kreuz in der deutschen Geschichte“ erläutert der Fregattenkapitän d. R. und Chefredakteur der Fachzeitschrift „Militär & Geschichte“ in fünf Kapiteln („Gegen die Fremdherrschaft: 1813“ – „Das deutsche Volk ist eins: 1870“ – „Heil Dir im Siegerkranz: 1914“ – „Für Führer, Volk und Vaterland: 1939“ – „Wert und Unwert: 1957“) die Bedeutung des Ordens über alle Zeiten hinweg.

Symbol des Überlebenskampfes

Der Autor bezeichnet das Eiserne Kreuz dabei als Tapferkeitsorden, „der in seiner Schlichtheit unter Verwendung einfacher Materialien zu einem volkskulturellen Monument mit höchstem ideellen Wert und internationaler Reputation aufstieg“. Weiter heißt es: „Mit der Stiftungsurkunde vom 10. März 1813 war eine Auszeichnung ins Leben gerufen, die höchster Ausdruck soldatischer Pflichterfüllung vieler Generationen werden sollte. Eine Besonderheit war die sparsame Ausgabe, die in der Tatsache gründet war, daß das Eiserne Kreuz im wahrsten Sinne des Wortes verliehen wurde, also eine ‚Leihgabe‘ des Staates Preußen bis zum Tod des Geehrten war. So haben nur rund 9.000 Eiserne Kreuze die Anwärter unmittelbar erreicht, alle anderen mußten warten, bis durch Tod oder anderweitige Rückgabe entsprechende Stückzahlen wieder zur Verfügung standen.“

Der Rückgriff Friedrich Wilhelms III. auf die Symbolik des mittelalterlichen Deutschritterordens kam nicht von ungefähr, befand sich Preußen damals doch ebenso in einem geradezu schicksalshaften Abwehr- und Überlebenskampf gegen Napoleon, der ganz Europa unter seine Herrschaft zwingen wollte. Nach dem Dichter und Freiheitskämpfer Theodor Körner, der am 26. August 1813 als Angehöriger des Lützowschen Freikorps in einem Gefecht gegen die Franzosen im Forst Rosenow bei Gadebusch fiel, war der antinapoleonische Befreiungskampf „kein Krieg, von dem die Kronen wissen, es ist ein Kreuzzug, ’s ist ein heil’ger Krieg“.

Als heilige Pflicht zur Verteidigung der Nation gegen ihre äußeren Feinde empfanden später auch die Soldaten beider Weltkriege ihren ehrenvollen Opfergang. Auch ihnen, über die vaterlandslose Lumpen permanent kübelweise Dreck ausschütten, setzt der Autor mit seinem Werk ein literarisches Denkmal, das nicht hoch genug geschätzt werden kann. In dem Kapitel über das Eiserne Kreuz im Zweiten Weltkrieg wird nicht zuletzt auch der legendäre Stuka-Oberst Hans-Ulrich Rudel in Wort und Bild gewürdigt, war er doch der einzige deutsche Soldat, der die allerhöchste Tapferkeitsauszeichnung erhielt, nämlich das eigens für ihn geschaffene Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten.

Dankenswerterweise räumt Schulze-Wegener in diesem Zusammenhang auch mit einer immer wieder vor- gebrachten Falschdarstellung über die Träger höchster EK- Stufen auf, indem er schreibt: „Der Annahme allerdings, Schwerter- und Brillantenträger wären ihres Wertes für die Propaganda wegen von der Front abgezogen worden, um sich in der Heimat bewundern zu lassen und nur noch als Werbemittel eingesetzt zu werden, widersprechen die Zahlen: Immerhin sind acht von 27 Brillantenträgern vor dem Feind geblieben! Im übrigen – heute kaum vorstellbar – brannten viele auf ihren Wiedereinsatz, der von der Truppe auch er- wünscht und ersehnt wurde.“ Denn: „Ihre Kampferfahrungen waren unersetzlich, und daß die Einheiten Stolz für das Dekorum durch einen vom ‚Führer‘ persönlich geehrten Helden empfanden, entsprach den damals gültigen Denkmustern.“

Mende trug es voller Stolz

Der Autor geht am Schluß auch auf das ‚Nachleben‘ des Ordens in der Bundesrepublik ein, etwa auf den Wandel der Traditionsauffassungen in der Bundeswehr oder auch die Diskussion um die 1957 ausgesprochene Genehmigung für das Tragen von Kriegsauszeichnungen in der Öffentlichkeit. Einer, der davon regen Gebrauch machte, war der Ritterkreuzträger Erich Mende, einstiger FDP-Vorsitzender sowie von 1963 bis 1966 Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und zugleich Stellvertreter des Bundeskanzlers. Selbstverständlich erfährt auch dieser deutsche Patriot und letzte große Nationalliberale eine entsprechende Würdigung in Schulze-Wegeners eindrucksvollem Band.

„Das Eiserne Kreuz in der deutschen Geschichte“, ein Buch, das in Zusammenarbeit mit dem Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt entstanden ist, überzeugt nicht nur durch die opulente Bebilderung und das mitunter sensationelle Fotomaterial, das aufgetrieben werden konnte, sondern auch durch die überaus kundigen Texte des Verfassers. Das anekdotenreiche und mit Liebe zum Detail verfaßte Buch ist für jeden militär- und zeit- geschichtlich Interessierten eine wahre Fundgrube. Zusammenfassend läßt sich sagen: Klare Empfehlung – mit großem Ausrufezeichen!

Thorsten Thomsen


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