Ach, Abendland, ist dies dein letzter Tanz ?

 
Der Life Ball in Wien von Gerd Honsik
 
Vor unserm Rathaus tanzen Lesben, Huren,
aus allen Toren quellen die Lemuren
und vorne weg der Wiener Bürgermeister,
ein Prototyp für allerkleinste Geister.
Lueger heißt er nicht, nicht Liebenberg!
Vor großen Namen schrumpft er ein zum Zwerg.
Wer ist der Wappler? Leute! „Häupl“ heißt er
und den Marsch der warmen Brüder preist er.
Schon naht der Zug der tausend nackten After!
Wie weit zum Abgrund? Seht dort drüben klafft er!
Die Großen aus Kultur sind kaum zu zählen,
die Clintons leihen selbst von ihrem Glanz,
gekrönte Häupter sind’s (zum Glück), die fehlen,
und bunt, aus Masken, Larven schwillt ein Kranz,
und Jubel quillt aus fünfzigtausend Kehlen.
Ach, Abendland, ist dies dein letzter Tanz?

Es halten Heerschau heut’ die Toleranten:
die schwulen Onkels und die schwulen Tanten.
Ein Geßlerhut für viele der Event –
drum kommt der Schaum auch vom Establishment,
von denen mancher sich rebellisch nennt,
obwohl er keinen Kerker kennt.
Und die Regie? Sie kommt vom fernen Westen
und wohnt verdeckt unter bizarren Gästen.
Dem Pfaffen war doch immer wieder wichtig,
daß Knaben keusch und Mädchen fromm und züchtig?
Was hat die ledig’ Mutter er gescholten,
die ewig lang als Sünderin gegolten!
Nun ziert der Feigheit Blässe sein Gesicht:
zum Schwulenfeste äußert er sich nicht.
Beim großen Defilee der grausig Sünden
bleibt er zu feig, von seinem Herrn zu künden.

Und während hinter deutschen Zuchthaustoren
ein Mahler und ein Fröhlich einsam schmoren,
für freies Wort verdammt auf neunzehn Jahr,
ferne der Sonne und schon weiß das Haar,
heult schamlos hier der Chor von „Toleranz“
mit nackten Hintern auf dem Reigentanz:
Man solle Adoptionen zugestehen
(von zarten Knäblein) auch den Schwulenehen.

Am Heldenplatze, nah der Kaiserkrone,
steh’ ich allein und hör’ die Mikrophone,
und ferne klingt das Schnattern und das Gurren
der Transen, Schwulen, Lesben und der Huren.
Ich denk’ der Toten in der nahen Gruft,
und her vom Rathausplatz weht Afterduft.

Im Dunkel die Bastei – wo einst die Scharen
des Kara Mustafa, die „Janitscharen“,
im Sturme auf die Bresche vorgedrungen
und sie zurückgeworfen worden waren
von Wiener Handwerksburschen und bezwungen.
Verwaist der Heldenplatz in tiefster Nacht,
der einstmals jauchzen sah die Million,
der deutsche Kaiser sah auf hohem Thron.
Kein Hoch- und- Deutschmeister hält hier noch Wacht.
Stumm bleibt die Glocke fern im Stephansturm,
die Sturm geläutet hat im Türkensturm.
Und Leere herrscht – ihr wißt – auf dem Balkone,
dahinter schweigend ruht des Reiches Krone.
Auf Quadern einsam nur – wacht ein Koloß:
der Held von Aspern! Karl! Hoch zu Roß!

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