Affront vor dem Volkstrauertag

Aktivisten entwendeten den städtischen Ehrenkranz für Otto Schottenheim und legten ihn am Denkmal für sowjetische Kriegsgefangene nieder.

 

Otto Schottenheim (1890 bis 1980)
Regensburg. Ein Kreis sogenannter Erinnernder an die NS-Zwangsarbeit in Regensburg hat vor dem Volkstrauertag am Sonntag das Grab von Otto Schottenheim auf dem evangelischen Zentralfriedhof an der Friedenstraße geplündert. Die Stadt Regensburg hatte wie jedes Jahr dort Anfang November auch einen Kranz für den ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt niedergelegt. Schottenheim war von 1933 bis 1945 Oberbürgermeister von Regensburg, Doktor der Medizin und SS-Brigadeführer. Er starb 1980 in Regensburg. Wie die antifaschistischen Aktivisten in einer Presseerklärung mitteilen, „haben wir uns gezwungen gefühlt, diesen zu entwenden und ihn am Denkmal am Hohen Kreuz niederzulegen.“ Das Denkmal am Hohen Kreuz erinnert an über 700 sowjetischen Kriegsgefangenen, die in Regensburg in der Zeit des Nationalsozialismus brutaler Zwangsarbeit und tödlichen Lebensbedingungen ausgesetzt waren. Für sie habe die Stadt Regensburg an Allerheiligen keinen Gedenkkranz vorgesehen gehabt, kritisieren die Antifaschisten.

In Regensburg haben bis zu Kriegsende fast 14 000 Menschen Zwangsarbeit ableisten müssen. Vielen von ihnen in den Werken des Flugzeugherstellers und Wehrmachtsausrüsters Messerschmitt. Die Stadt unter dem Bürgermeister und SS-Mitglied Otto Schottenheim habe sich dafür stark gemacht und so den zweitgrößten Luftfahrtskonzern im 3. Reich hofiert. „Genau bei diesem Menschen, einem glühenden Antisemiten und Nationalsozialisten, lag Mitte November 2012 ein Gedenkkranz der Stadt Regensburg“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Erinnernden an die NS-Zwangsarbeit werteten dies als einen Affront gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus.

 

Kommentare

  1. Z w a n g s a r b e i t

    Der heutzutage gerne betont im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus zur Anwendung gebrachte Terminus benennt in tendenziöser Weise insbesondere die verpflichtende, zumeist körperliche Arbeit von Strafgefangenen in Arbeitslagern.

    Die zu erledigenden Arbeiten wurden in der Regel durch den Reichsarbeitsdienst organisiert. Zudem wird der Begriff Zwangsarbeiter bewusst unkorrekt auf die freiwillig rekrutierten und entsprechend entlohnten Fremdarbeiter Ost und Fremdarbeiter West, welche im nationalsozialistischen Deutschland bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges arbeiteten, angewendet.

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