Gastarbeiter 2.0 – spanische Jugendliche sollen nach Deutschland gelockt werden

Es war ein Fehler, daß wir zu Beginn der 60er Jahre Gastarbeiter (…) nach Deutschland geholt haben.“ Dieser Satz stammt von keinem anderen als dem Alt-Kanzler Helmut Schmidt (SPD), der angesichts der Folgen der Zuwanderung für Arbeitsmarkt, Sozialstaat und innere Sicherheit die Idee der multikulturellen Gesellschaft für gescheitert ansah.
Nun soll, wenn es nach der Bundesregierung geht, eine weitere große Wanderungswelle in den deutschen Arbeitsmarkt erfolgen. Von den „neuen Gastarbeitern“ ist bereits die Rede. Bildungsministerin Schavan (CDU) wirbt in Spanien um junge Arbeitslose, die nach Deutschland kommen wollen. Ihr schwebt ein europäischer Arbeitsmarkt vor, in dem die Menschen wie Spielfiguren beliebig hin und her geschoben werden können. So fordert Schavan, daß spanische Jugendliche in Spanien bereits für die Bedürfnisse des deutschen Arbeitsmarkts ausgebildet werden sollen.

Auf der deutsch-spanischen Ausbildungskonferenz stellte sie mit ihrem spanischen Kollegen Ortega bereits ihre konkreten Pläne vor. Ziel der Konferenz ist es, Mittel und Wege zu finden, spanische Jugendliche nach Deutschland zu locken. Die vor allem in den kriselnden Südländern grassierende Jugendarbeitslosigkeit soll durch eine Massenabwanderung nach Deutschland gestoppt werden. Wer gedacht hat, daß diese Abschöpfung fremder Arbeitslosenheere auf Spanien beschränkt bleiben soll, sieht sich getäuscht. Schavan wörtlich: „Die deutsch-spanische Pionierarbeit soll zum Modell auch für andere Länder werden.“

Auch Bundeskanzlerin Merkel ist Anhängerin der Schaffung eines europäischen Arbeitsmarkts. Die Tatsache, daß in Europa jeder vierte und in Spanien gar jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist, läßt erahnen, welches Wanderungspotential durch einen solchen europäischen Arbeitsmarkt aufgetan werden würde. Schon 2011 ist die Zuwanderung aus den Krisenländern Griechenland (um 90 Prozent) und Spanien (um 52 Prozent) massiv gestiegen.

Durch die jungen Einwanderer soll einem angeblich drohenden Fachkräftemangel entgegengetreten werden. Daß dies äußerst kurzsichtig ist, beweisen die Erfahrungen mit der ersten Gastarbeitergeneration, von der nach kurzer Arbeitsdauer ein erheblicher Teil in Krisenzeiten auf der Straße landete und sich im deutschen Weltsozialamt gemütlich machte. Kommt die Krise auch faustdick in Deutschland an, was wird dann aus den gerufenen Spaniern und Griechen?

Wäre es nicht sinnvoller, die sich immerhin offiziell auch auf 7,9 Prozent belaufende Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland in den Griff zu bekommen und dadurch die in einzelnen Branchen auftretenden Engpässe zu beheben? Wäre es nicht nachhaltiger, statt auf Fachkräftetourismus auf eine echte Familien- und Bevölkerungspolitik zu setzen, um dem Fachkräftemangel auch in der Zukunft vorzubeugen? Wäre es nicht auch fairer, statt der spanischen Wirtschaft die Fachkräfte zu entziehen, eine Qualifikationsoffensive in Deutschland in Gang zu setzen?

Millionen junge und ältere Arbeitslose, Minijobber, Teilzeitarbeiter und Zwangsvorruheständler bieten ein riesiges Potential, das allzu oft zwecks Zuwanderungspropaganda an den Haaren herbeigezogene Szenario des drohenden Fachkräftemangels niemals Realität werden zu lassen.  


Ronny Zasowk

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