Westerwelle endlich kurz vor Rücktritt ?

Einer, der durch seine Entgleisungen und seinen Lebenswandel so ganz zum moralischen Sumpf der politischen „Eliten“ dieses Landes paßt, droht von seiner eigenen Partei abgeschossen zu werden.
Alles hat man ihm durchgehen lassen. Sich 2002 angesichts des am Horizont immer deutlicher werdenden Irak-Kriegs und des Jahrhunderthochwassers in Mitteldeutschland in einen Spaßwahlkampf zu stürzen und mit seinem Guido-Mobil das Volk verhöhnend durch die Lande zu ziehen, wurde ihm verziehen. Mit seiner seltsamen sexuellen Veranlagung und seinem Lebensgefährten als oberster Diplomat der BRD unser Land international der Lächerlichkeit preiszugeben, wurde ihm erlaubt. Inkompetenz auf nahezu allen Gebieten, lustigerweise selbst auf dem der englischen Sprache, wurden ihm nachgesehen.

Bezüglich der HartzIV-Empfänger unseres Volkes fand er folgende Worte: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.” Millionen meist schuldlos in finanzielle Not geratene Deutsche mussten sich von einem Politiker beschimpfen lassen, dessen Lebenswandel wohl mehr als alles andere an spätrömische Dekadenz erinnert.

Doch all diese Entgleisungen haben nicht dazu geführt, daß Westerwelle innerhalb der eigenen Partei und Regierungskoalition massive Kritik erntete. Gegen HartzIV-Empfänger zu hetzen, darüber scheint wohl Konsens in der politischen Klasse dieses Landes zu herrschen. Der beleidigende Vorschlag – die HartzIV-Bezüge um mickrige 5 Euro pro Monat zu erhöhen, ist noch gut im Gedächtnis.

Da musste Westerwelle schon einen Fehltritt praktizieren, der sich an den Koryphäen und Götzen des politischen Systems der BRD vergreift. Oder zumindest den Anschein hat, dies zu tun. Westerwelle applaudierte zu spät und wohl auch nicht freiwillig, daß die NATO Libyen bombardierte. Die Enthaltung, sich an dem Bombardement zu beteiligen, nahm man uns Deutschen schon übel. Mit dem zaghaften und nach Meinung seiner internen Kritiker wohl viel zu spät erfolgten Respektbekunden den amerikanischen und französischen Bomberstaffeln gegenüber, machte er sich im Gleichsprech-Lager der Etablierten nun gänzlich unmöglich.


Als normal politisch denkender Deutscher, der noch alle Sinne beisammen hat, beobachtet man diesen Vorgang einerseits mit Abscheu, andererseits mit Schadenfreude. Auf der einen Seite ist es widerwärtig, in einem angeblich freien Land zu Meinungsbekundungen gezwungen zu werden, die man nicht vertritt und die jeglichen gesunden Menschenverstand vermissen lassen. Am Bombardement Libyens waren wieder einmal nur die Öl-Lobby und deren Erfüllungsgehilfen in den Regierungen der so genannten westlichen Welt interessiert – von Demokratie und Menschenrechten(was auch immer diese Begriffe in den Think Tanks der USA bedeuten) wird auch nach den Bombenangriffen auf den ölreichen Staat nichts ankommen. Freude kommt angesichts Westerwelles trostloser Situation dennoch auf, da es endlich mal einen Protagonisten trifft, der selbst jahrelang das Gewissen der Nation spielte und andere an die Gleichsprechformalitäten des politischen Establishments erinnerte.

Die Diskussion um den möglichen Nachfolger Westerwelles offenbart, welch Personalnot die FDP im Speziellen und die etablierten Parteien im Allgemeinen plagt. Kein Geringerer als Werner Hoyer wird als künftiger Bundesaußenminister ins Gespräch gebracht. Dieser konnte sich schon 1994 als FDP-Generalsekretär in den Annalen der bundesdeutschen Peinlichkeiten verewigen, indem er die FDP arrogant als die „Partei der Besserverdienenden“ bezeichnete. Nachdem selbst den geistig nicht sehr regen FDP-Granden bewusst wurde, daß dieser Ausspruch nicht unbedingt zu größerer Beliebtheit der Partei beim Volk beitragen würde, versuchte man sich in verzweifelten Relativierungsversuchen. Dennoch verstehen sich die FDP und mit ihr auch die CDU/CSU und in Teilen auch die SPD sowie die Grünen als Parteien der Besserverdienenden, schaut man sich ihre jeweiligen Regierungspolitiken an.

Egal ob Westerwelle sich krampfhaft an seinen Pfründen festkrallt oder Hoyer den Staffelstab übernimmt – mit spätrömischer Dekadenz wird es in bundesdeutschen Regierungskreisen weitergehen.

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