Über 80 Prozent kritisieren Regierung in Eurokrise & Hauptsorge Röslers weder Euro noch die Menschen. „Er hat nur ein Ziel: Die FDP in Berlin über fünf Prozent zu bringen“

Die große Mehrheit der Deutschen ist mit der schwarz-gelben Regierung in der Eurokrise unzufrieden. 

Demnach beurteilen 82 Prozent das Krisenmanagement der Regierung von Angela Merkel (CDU) mit „eher schlecht“. Zwei Drittel (66 Prozent) sprachen sich zudem gegen Hilfen für Griechenland oder andere Staaten in der Schuldenkrise aus.
 


Der FDP-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler verteidigte erneut seine in der schwarz-gelben Koalition heftig umstrittenen Äußerungen über den Euro-Rettungskurs. Zu Europa zu stehen, heiße auch, „die eine oder andere kritische Frage zuzulassen, zu diskutieren und auch zu entscheiden“, sagte Rösler am Donnerstagabend bei der FDP-Abschlusskundgebung im Berliner Wahlkampf. Daher seien seine Gedanken kein Tabubruch.

Rösler hatte eine Staatspleite Griechenlands sowie eine geordnete Insolvenz ins Spiel gebracht, wenn es dafür die Instrumente gebe. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte ihn dafür mehrfach indirekt gerügt. Rösler bekräftigte nun, ein Bundesminister sei dem deutschen Volk verpflichtet. „Ich bin ausdrücklich nicht den Finanzmärkten verpflichtet, und ich tue das, was ich für richtig halte.“



Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, warnte vor Diskussionen über einen möglichen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone. „Spekulationen über Austritte und das Auseinanderbrechen der Eurozone beschwören vor allem neue Turbulenzen an den Finanzmärkten herauf“, sagte Driftmann der „Stuttgarter Zeitung“ (Freitag).

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) mahnte zur Zurückhaltung: „Wir haben es mit hypernervösen Märkten zu tun“, sagte Aigner der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). „In dieser angespannten Situation kann jedes unbedachte Wort zu unkalkulierbaren Reaktionen führen.“ Ähnlich äußerte sich CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt: „Wir dürfen nicht länger zu einer größeren Verunsicherung der Bevölkerung beitragen“, sagte sie der „Saarbrücker Zeitung“ (Freitag). Die Koalition müsse die Entscheidungen geschlossen treffen.




Der saarländische SPD-Landeschef Heiko Maas sprach sich dafür aus, die Hilfe für kriselnde EU-Länder künftig stärker zu reglementieren. „Die EU sollte einen Sparkommissar nach Griechenland entsenden“, sagte das SPD-Präsidiumsmitglied der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitag). Dieser Sparkommissar solle „mit einer Finanz-Task-Force bestehend aus Finanzexperten der stabilen EU-Länder den Sparkurs vor Ort überwachen und der griechischen Regierung dabei helfen, das Land steuer- und finanzpolitisch wieder auf Kurs zu bringen.“

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf der FDP und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler in der Debatte über die Schuldenkrise eine „Angstkampagne“ um den Euro vor. Hauptsorge Röslers seien weder der Euro noch die Menschen. „Er hat nur ein Ziel: Die FDP in Berlin über fünf Prozent zu bringen“, sagte Steinmeier der WAZ-Mediengruppe. Dass Rösler und Kanzlerin Merkel in dieser Kernfrage mit unterschiedlichen Botschaften an die Öffentlichkeit gingen, sei „ein Stück aus dem Tollhaus“.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sprach sich angesichts der Auseinandersetzungen zwischen Rösler und Merkel für Neuwahlen aus. „Vor diesem Hintergrund kann ich nur sagen, entweder die berappeln sich und fangen endlich mal wieder an zu regieren. Oder aber die geben das Mandat zurück und die Wähler entscheiden wieder“, sagte Nahles am Donnerstag im RBB-Inforadio.



Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Euro-Skeptiker Frank Schäffler kritisierte Merkels Appell, die Insolvenz-Diskussion zu beenden: „Die Bundeskanzlerin liegt hier völlig falsch. Die Märkte haben die Insolvenz Griechenlands längst eingepreist. Die einjährige griechische Staatsanleihe hat inzwischen eine Rendite von über 100 Prozent. Der Markt erwartet die Insolvenz Griechenlands“, sagte Schäffler der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag).

Die Gefahr eines Überspringens der Krise im Fall einer geordneten Insolvenz Griechenlands sieht Schäffler nicht: „Im Gegenteil: Wenn wir den Rettungsautomatismus fortsetzen, erhöht sich die Ansteckungsgefahr. Wir müssen die Logik durchbrechen, dass immer gerettet wird. Nur so verhindern wir weitere Spekulation.“

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