. . . immer versauter

Popmusik  entartet zunehmend: 5 Porno-Songs in den Top 10 der US-Charts

 

Ohne das Wörtchen „fuck“ geht in den US-Charts nichts mehr: Enrique Iglesias singt auf Platz 6 „Tonight I'm Fucking You“, Pink findet's auf Position 5 „Fuckin Perfect“ und Rapper Cee Lo Green sagt's jedem, der es hören will, ganz direkt: „Fuck You“ auf Platz 7!

Fest in der Umgangssprache verankert und in den Charts ein Erfolgsgarant: Enrique Iglesias verkaufte in einer Woche 97.000 Downloads seines Hits. Trotzdem musste der Schmusebarde inzwischen sein schmutziges Liedchen zu Zwecken der Radiotauglichkeit in „Tonight I'm Loving You“ umtaufen.
Um dieser Zensur zu entgehen, gingen die Black Eyed Peas die Sache subtiler an. Im Songtitel „The Time (Dirty Bit)“ (aktuell auf Platz 9 der US-Charts) kürzten sie das Schimpfwort „Bitch“ in „Bit“ ein. Übersetzt heißt es allerdings immer noch „dreckiges Stück“.


Auch Superstar Rihanna schreckt nicht davor zurück, ihren Songs durch einen ausdrucksstarken Titel die gewisse Doppeldeutigkeit zu verleihen.Platz 8 der US-Charts: Rihannas Song „S&M“, was eine Abkürzung für die Sexualpraktik „Sadomasochismus“ ist.
Fazit: Während Skandal-Göttin Madonna 1990 noch „Justify My Love“ („Rechtfertige meine Liebe“) sang und jeder wusste, was zwischen den Zeilen gemeint war – tendieren Künstler heute zu einer krassen, unverblümten Wortwahl – und den Fans gefällt's so versaut!

Die Brigham Young University hat alle Top 100-Songs seit 1959 untersucht. Das wenig überraschende Ergebnis: Unsere Charts werden immer mehr zur Popp-Musik. Ein Regensburger Verhaltenspsychologe wittert Gefahr.
Musiktexte enthalten immer eindeutigere sexuelle Botschaften. Das Team um Cougar Hall von der Brigham Young University untersuchte dazu alle seit 1959 in den US-Charts "Billboard Hot 100" vertretenen Popsongs. Die Textanalyse, die in "Sexuality & Culture" veröffentlicht wurde, zeigte, dass die sexuellen Anspielungen in dieser Zeit deutlich zunahmen.
"Der Musikkonsum steigt durch MP3-Player und iPods ständig, jedoch auch die sexualisierten Inhalte der Musik. Jugendliche neigen in Folge dazu, die sexuelle Aktivität der Gleichaltrigen zu überschätzen. Burschen werden dabei aggressiver und Mädchen müssen mehr um ihren Selbstwert ringen", so das Fazit der Wissenschaftler.
Nicht alle Lieder mit Anspielungen auf Sex sind in gleicher Weise zu bewerten, betonen die Forscher. Problematisch seien jedoch vor allem jene, die dies auf erniedrigende Weise tun. "Bei Mädchen können solche Texte das Gefühl hinterlassen, ihr gesellschaftlicher Wert bestehe bloß darin, anderen sexuelles Vergnügen zu bereiten", warnen die Forscher. Das begünstige ein negatives Körperbild und zahlreiche psychische Probleme wie Depression und Magersucht.
"Sexualisierte Inhalte sind häufig frauenfeindlich", erklärt der Sozialpsychologe Peter Fischer von der Universität Regensburg in einem pressetext-Interview. In Experimenten konnte der Experte zeigen, dass sexuelle Andeutungen und Inhalte in Medien speziell bei Männern zu erhöhter Aggression gegen Frauen führen. "Zudem werden Menschen in ihrem Sexleben auch unvorsichtiger, wenn sie etwa in der Musik ständig von Sex hören und sich dabei an diese Botschaften gewöhnen."

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