Dubiose Schuldeneintreiber: Verbraucherschützer bekämpfen Inkasso-Verbrecher

Immer mehr Deutsche werden Opfer von rabiaten Inkasso-Firmen wie sie von Amazon , Neckermann und unzähligen anderen beauftragt werden. Jetzt wollen Verbraucherzentralen endlich gegen die zwielichtigen Schuldeneintreiber vorgehen.

Als die Rechnung über 192 Euro mit der Post kam, wusste sie anfangs nicht mal, wofür sie überhaupt zahlen sollte. Erst später fand Jenny H. heraus, dass sich hinter der Anmeldung für eine vermeintlich harmlose Mode-Website, ein teures Zwei-Jahres-Abo verbarg, für das ihr nun die Firma IContent die Rechnung präsentierte. Auf Anraten der Verbraucherzentrale Hamburg widersprach die 29-Jährige dem Schreiben. "Ich bekam dann noch weitere Briefe mit zusätzlichen Mahnkosten und der Drohung, mich vor Gericht zu bringen." Irgendwann habe sich das Thema schließlich von selbst erledigt.




So wie der Hamburgerin geht es immer mehr Verbrauchern: Sie bekommen Post von zwielichtigen Inkasso-Unternehmen. Viele zahlen, um sich Ärger zu ersparen. Mehrere Verbraucherzentralen wollen jetzt Front machen gegen die Abzocke durch unseriöse Schuldeneintreiber: Bis zum 30. September sammeln die Beratungsstellen von acht deutschen Verbraucherzentralen systematisch Erfahrungsberichte von Betroffenen. "Uns geht es darum herauszufinden, in welchem Ausmaß überhöhte Gebühren erhoben werden und ob die Forderungen berechtigt sind", sagt Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen .


Inkassobüros treiben ihre Forderungen oft mit fragwürdigen Methoden in die Höhe, berichtet Reichertz. Einige Schuldeneintreiber setzten ihre Opfer mit Schufa-Einträgen unter Druck, die in dieser Situation eigentlich nicht zulässig seien. Andere zitierten unzutreffende Paragrafen und Urteile oder drohten mit dem Gerichtsvollzieher. "Sie drängen die Verbraucher zu einem Schuldeingeständnis, obwohl diese vielleicht gar nicht zahlen müssten", sagt Reichertz. 


Widerspricht der Kunde der Rechnung rechtzeitig, dürften beispielsweise überhaupt keine Inkasso-Gebühren erhoben werden.
Zu den unseriösen Schuldeneintreibern zählt der Verbraucherschützer beispielsweise die Firma Deutsche Zentralinkasso (DZI), die gerne "mit Drohungen gegen Kunden" vorgehe und auch windige Internet-Dienstleister vertrete. "Wir monieren vor allem das Aufbauen von Drohkulissen und die Angstmacherei", sagt Reichertz. Betroffenen rät der Verbraucherschützer dazu, auf jeden Fall die Beratungsstelle einer Verbraucherzentrale aufzusuchen, um festzustellen, ob die Forderungen berechtigt sind.

Viele Mahnschreiben sind völlig unberechtigt




Das Problem aus der Sicht des Juristen Reichertz sind fehlende Gesetze: "Es gibt keine gesetzliche Regelung für Inkasso-Gebühren." Einige würden Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz nehmen, andere kassierten "völlige Fantasiegebühren". Nach den Regelsätzen für Anwälte dürften Inkasso-Firmen für Beträge unter 300 Euro eine Gebühr von maximal 32,50 Euro verlangen. Aus Sicht der Verbraucherschützer ist bereits das unangemessen hoch. Doch allzu oft liegen die "Gebühren" der Abzocker noch weit über dem legalen Rahmen.




Häufig sind die Mahnschreiben gänzlich unberechtigt - etwa bei Internet-Abofallen oder untergeschobenen Vertragsabschlüssen am Telefon. "Wir stellen verstärkt fest, dass immer mehr unseriöse Inkasso-Unternehmen Briefe verschicken und zwielichtige oder gar unberechtigte Forderungen eintreiben", sagt die Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Carmen Gahmig. Nicht ersichtlich sei auch häufig, wer genau die Forderung erhebe, ob die Firma ordnungsgemäß bevollmächtigt sei und ob überhaupt eine sogenannte Geldempfangsvollmacht vorliege.
Die Erkenntnisse, die von den Verbraucherzentralen gesammelt werden, sollen dazu beitragen, bessere gesetzliche Grundlagen und eine effektive Aufsicht über die Inkasso-Unternehmen herzustellen.

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