Pflege: Die nächste Schockbilanz

Das Thema Pflege beschäftigt - und empört - immer mehr Deutsche , folgend genannt zb. in München. Jetzt wird die nächste Schock-Studie bekannt! Die letzten Kontrollen fallen noch viel skandalöser aus als die vorherigen.

OB Ude kürzt & streicht Beschwerdestelle , hat aber €uro Millionen für Olympia !!


In der kommenden Woche will OB Christian Ude im Rathaus die Erfolgsbilanz der Beschwerdestelle bei Pflegeproblemen vorlegen und gleichzeitig deren Verkleinerung von sechs auf vier Mitarbeiterinnen beantragen, wogegen Betroffene und Experten protestieren. Jetzt wird die nächste Schock-Studie bekannt!

In der gleichen Stadtratssitzung verkündet Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle die Bilanz der Heimaufsicht. Nach Informationen  fallen die Kontrollen der Jahre 2009 und 2010 noch skandalöser aus als die der Vorjahre.
Insgesamt rückten die Aufseher 384-mal aus, um die 112 Heime in der Stadt zu prüfen – darunter je knapp zur Hälfte Häuser für Alte und für Behinderte. Während Einrichtungen für Behinderte fast unbeanstandet blieben, stellte die Behörde bei jedem dritten Besuch in den Altenheimen Mängel fest – insgesamt 382 aus den Bereichen Betreuung, Umgang mit Medikamenten bis hin zum Festschnallen im Bett! Das sind fast doppelt so viele Missstände wie im Vorgängerbericht.

Noch katastrophaler fällt die Bilanz der Einzeluntersuchungen aus: Die Heimaufsicht prüfte die Pflege von 1120 Altenheimbewohnern und musste 355-mal die Skandal-Diagnose „gefährliche Pflege“ stellen – hier hat sich der Anteil sogar verdreifacht! In diese Kategorie fallen alle Pflege-Zustände, die eine Gefahr für die Gepflegten bedeuten, wie Wundliegen oder Vernachlässigung.
Genau 244-mal befanden die Kontrolleure auf eine „Routinepflege“ – also nach Schema F ohne persönliche Ansprache. 474-mal stellten die Prüfer eine „angemessene Pflege“ fest. Nur 47-mal vergaben die Tester den Bestwert „optimale Pflege“, aber dafür war auch eine aktive Mitgestaltung der Gepflegten nötig.
KVR-Chef Blume-Beyerle will die Bilanz nicht als Verschlechterung der Pflege verstanden wissen. Vielmehr seien schwarze Schafe mehrfach untersucht worden – ohne dass sich die skandalösen Zustände änderten. Er könne darum nicht Entwarnung geben. Einziger Lichtblick: Der Anteil der Fixierungen – also des Festschnallens am Bett – reduzierte sich von 19 Prozent im Jahr 2008 durchgängig auf heuer runde 13 bis 14 Prozent.


Proteste: Weg mit dem Rotstift bei der Pflege!

 

Die Pflege-Beschwerdestelle unterstützt rund 2000 Betroffene pro Jahr. Trotzdem wollen Stadt und OB Christian Ude dort den Rotstift ansetzen. Jetzt gibt es lauten Protest.
Gerade hat die Pflege-Beschwerdestelle der Stadt ihre Bilanz vorgelegt: Die Expertinnen unterstützen rund 2000 Betroffene pro Jahr. Trotzdem wollen Stadt und OB Christian Ude (SPD) dort den Rotstift ansetzen.
Dagegen protestieren jetzt Experten, Senioren und die Opposition: Weg mit den Kürzungen bei der Beschwerdestelle!

Nach einer Reihe von Pflege­skandalen hat die Stadt die Beschwerdestelle 1997 freiwillig eingerichtet, 2001 mit Geld aus Berlin um zwei Stellen aufgestockt und diese Mitarbeiterinnen 2006 fest übernommen. 
Jetzt droht zwei der sechs Stellen der Rotstift: Eine Pflegefachkraft soll versetzt und eine Assistentin eingespart werden. Die Stelle würde um ein Drittel verkleinert, obwohl die Beschwerden kaum nachlassen, stellen die Experten selbst fest. Darum müsse die Arbeit an Projekten und Veranstaltungen reduziert werden. Chefin Kornelie Rahnema kann sich vor der Stadtratsdebatte nächste Woche nicht äußern.
Betroffene sind entsetzt. „Das ist eine schlechte Sache – erschreckend “, protestiert der Chef des Seniorenbeirats, Klaus Bode. Er will das Thema beim kommenden Pflegeforum ansprechen. „Es kann nicht sein, dass auf Kosten der Betroffenen gespart wird.“

Pflege-Experte Claus Fussek weist darauf hin, dass die Beschwerdestelle die einzige ihrer Art sei, an die sich Münchner bei Problemen mit der Pflege zu Hause wenden könnten. Die Heimaufsicht kümmere sich um Heime und der Medizinische Dienst komme nur nach Voranmeldung. „Bei der Pflege zu Hause gibt es einen riesigen Beratungsbedarf. Da muss man eher die Stellen ausbauen!“ Tatsächlich verzeichnen die Expertinnen der Stadt besonders hier immer mehr Anfragen. „Gerade wer zu Hause gepflegt wird, hat mehr Angst, sich zu beschweren“, sagt Fussek und wundert sich über das Signal der Stadt – wo doch der OB, der gerade im Urlaub weilt, das Thema einst zur Chefsache gemacht habe.
In der Politik gehen die Meinungen auseinander: Die FDP will zwar grundsätzlich sparen, aber an anderer Stelle. „Bei der Pflege wächst der Beratungsbedarf“, sagt Fraktionschef Michael Mattar.
„Verwundert“ ist auch die CSU. „Die Einsparung darf keinesfalls zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Stelle führen“, sagt Fraktionsvize Hans Podiuk – jedoch ohne die Rücknahme der Kürzung zu fordern.
Die SPD verteidigt ihren OB. In der Beschwerdestelle reiche das reduzierte Personal aus, findet der sozialpolitische Sprecher Christian Müller. Schließlich könnten die Expertinnen die Eingaben oft nur notieren. Manchmal seien der Stadt dann die Hände gebunden, nicht selten müssten andere Stellen konkret helfen – etwa die Bezirkssozialarbeiter. Und in den Heimen sei die Kontrolle in München so gut wie sonst nirgends im Freistaat. Auch die Heimaufsicht will in diesen Tagen ihre Bilanz vorlegen.

Kommentare

  1. Der Staatsdienst muss zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut werden, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.

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