Führerschein: Nach der Fahrschule ist vor der Fahrschule

Junge Fahranfänger verursachen die meisten Unfälle. Um ihnen den letzten Schliff zu geben, sollen sie auch nach bestandener Fahrprüfung wieder zur Fahrschule.

Versicherungsexperten stöhnen: Eigentlich kann man diese Typen gar nicht versichern. Die Rede ist von jungen Fahranfängern und ihren Schadensverläufen. Die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen ist in 28 Prozent aller schweren Unfälle verwickelt. Sie sticht in der Statistik deutlich hervor.

Diese Gefahr soll nun entschärft werden. In Zukunft sollen die Führerscheinneulinge drei Monate nach dem Erwerb der Fahrerlaubnis erneut zur Fahrschule. 
Nach der Einführung des begleiteten Autofahrens ab dem 17. Lebensjahr planen Union und FDP einem Medienbericht zufolge eine weitere Maßnahme zur Senkung der Unfallzahlen bei Fahranfängern. Fahrschüler sollen künftig drei Monate nach Erhalt des Führerscheins noch einmal eine oder zwei Fahrstunden nehmen. 

Nach der Einführung des begleiteten Fahrens mit 17 Jahren zu Jahresbeginn plant die Koalition einem Bericht zufolge weitere Maßnahmen zur Verringerung der hohen Unfallzahlen bei Fahranfängern. 

Wie die "Saarbrücker Zeitung" berichtet, sollen Anfänger künftig drei Monate nach Führerscheinerwerb Wiederholungsfahrten ("Feedback-Fahrten") absolvieren, also erneut eine oder zwei Fahrstunden mit einem Fahrlehrer nehmen.

Vorbild sei Österreich, wo verpflichtende "Feedback-Fahrten" nach drei Monaten dazu dienten, falsche Angewohnheiten beim Autofahren zu beseitigen. Laut Zeitung sollen die Pläne nach dem Willen der Koalition noch ins neue Verkehrssicherheitsprogramm aufgenommen werden, das derzeit vom Verkehrsministerium erarbeitet werde.

Der CDU-Verkehrspolitiker Gero Storjohann bestätigte nach Angaben der Zeitung die Pläne. Österreich habe mit dem nachbereitenden Schulungskonzept seit 2003 gute Erfolge erzielt.

So gebe es dort in der Altersgruppe junge Fahrer 30 Prozent weniger Unfälle. Das sei Anlass genug, ein zweites Ausbildungsmodul auch für Deutschland in Betracht zu ziehen.


Zwei oder drei Fahrstunden mit dem Fahrlehrer sollen helfen, in der Praxis eingerissene, schlechte Gewohnheiten zu korrigieren. Die Idee ist gut und richtig. Verkehrsexperten fordern seit Langem, dass die Ausbildung nicht mit dem Aushändigen der Fahrerlaubnis aufhören dürfe.
Ob für die Zusatzausbildung weitere Fahrstunden oder das Absolvieren eines Sicherheitstrainings – wie vom ADAC vorgeschlagen – sinnvoller wäre, ist eine zweitrangige Frage.
Obwohl Fahranfänger immer noch die unangefochtene Spitzenposition in der Unfallstatistik einnehmen, darf man sie nicht für unbelehrbare Verkehrsrambos halten, auch bei ihnen geht die absolute Zahl der Unfälle zurück.


Nur weil die Zahl der Verkehrsunfälle mit schweren Folgen insgesamt so stark rückläufig ist, bleiben die Youngster trotz aller Bemühungen weiterhin die Hauptrisikogruppe. Aufklärung, der Führerschein auf Probe und das absolute Alkoholverbot für junge Fahranfänger wirken sich durchaus positiv aus. Die wichtigste Neuerung der letzten Jahre ist sicherlich die Einführung des begleiteten Fahrens. 17-Jährige können den Führerschein erwerben, dürfen aber bis zum 18. Geburtstag nur in Begleitung eines Erwachsenen fahren.

Mehr Praxis ohne Fahrlehrer


Die zusätzliche Schulung ist richtig, aber sie wird weitere Kosten produzieren. Der ohnehin schon sehr teure Führerschein wird dann noch teurer werden. In Zukunft sollte die Politik verstärkt darüber nachdenken, wie Fahranfänger mehr praktische Erfahrungen sammeln können, ohne dabei den Führerschein unerschwinglich zu machen.

Konkret muss daher über Lösungen ohne Fahrlehrer an Bord nachgedacht werden. Solange die Stunde Fahrpraxis 35 bis 45 Euro kostet, wird der Schüler immer versuchen, mit möglichst wenig Stunden die Prüfung zu bestehen. So kann er elementare Fähigkeiten erlernen, aber keine fahrerische Routine erwerben. Das begleitete Fahren ist ein erster zaghafter Vorstoß in diese Richtung, spricht aber nur eine zu kleine Gruppe an. Zur Erinnerung: An diesem Modell nehmen nur Fahrschüler teil, die ganz "heiß" aufs Autofahren sind. Sie können sich mit 16 schon bei der Fahrschule anmelden, müssen dann ganz normal Ausbildung und Prüfung absolvieren und dürfen quasi zur Belohnung bereits mit 17 ans Steuer – mit einer eingetragenen Begleitperson. Wer mit dem Führerschein bis 18 oder gar 20 wartet, den betrifft das Programm nicht.
Wünschenswert wären Modelle, mit denen man schon während der Ausbildung an der Fahrschule mehr Übung im Straßenverkehr bekommt – so wie begleitetes Fahren in Großbritannien praktiziert wird. Darüber hinaus darf es keine Denkverbote geben. Was spricht eigentlich gegen spezielle "Anfänger"-Warnschilder und angepasste Tempolimits für Fahranfänger? Mit Tempo 80 kommt man schließlich auch ans Ziel.

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