Frauenfußball-WM: Deutschland feiert Auftaktsieg


WM-Auftakt nach Maß: Die deutschen Fußball-Frauen haben ihren Gegner in Berlin mit 2:1 besiegt. 

"Die Zukunft des Fußballs ist weiblich, weil die Frauen genau die Art von Fußball spielen, die wir alle sehen möchten: elegant, technisch hochstehend, offensiv." Diese These stellt der FIFA-Präsident Sepp Blatter auf. Ob sie allerdings "schwarz-rot-Goldig" ist, wie auf den Artikeln aus dem DFB-Fanshop zu lesen ist, darüber lässt sich streiten. Denn Frauenfußball ist alles andere als niedlich.


Die deutsche Nationalmannschaft der Frauen ist inzwischen erfolgreicher als das Männerteam. 

Doch bevor dieser Erfolg öffentlich anerkannt wurde, hatten die Fußballspielerinnen einen schweren Stand. Die Geschichte des Frauenfußballs ist gespickt mit Anekdoten voller Spott, Häme, Behinderungen und Verboten. In der Gegenwart werden etliche Versuche gestartet, um das Image der weiblichen Version einer Männerdomäne aufzuarbeiten und an Akzeptanz zu gewinnen.


Die Zukunft ist weiblich


Mit dem Sportökonom Kolja Bathow risikieren wir einen Blick in die Zukunft des Frauenfußballs und greifen den Aspekt der Vermarktung auf. Anfang des Jahres gründete Kolja Bathow eine Firma, die sich auf Sportbekleidung für Fußballerinnen spezialisiert hat. Ist am Ende die Zukunft des Fußballs weiblich? Könnte der FIFA-Präsident recht behalten? Können die Bundesligaspielerinnen der Zukunft bald als Profi auch von ihrem Gehalt leben?

 Deutschlands Fußball-Frauen haben zum Auftakt der Fußball-WM im eigenen Land gegen Kanada gewonnen.

Vor über 73.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion dominierte die Mannschaft von Bundestrainerin Silvia Neid den Gegner 80 Minuten nach Belieben. Erst Kanadas Torjägerin Christine Sinclair sorgte mit ihrem direkt verwandelten Freistoß überraschend für Spanunng in der Schlussphase.

Kerstin Garefrekes (10. Minute) und Celia Okoyino da Mbabi (42.) sorgten für die Treffer des zweifachen Weltmeisters, der sich an die Tabellenspitze der Gruppe A setzte.
Im zweiten Vorrundenspiel treffen die deutschen Fußball-Frauen am Donnerstag (20.45 Uhr) in Frankfurt auf Afrika-Meister Nigeria, der zum Turnierstart in Sinsheim mit 0:1 gegen Frankreich verlor.


Eine spielerisch überzeugende Vorstellung

 
Vor einem erwartungsvollen Publikum, darunter Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel, bot das DFB-Team gegen den Weltranglisten-Sechsten und WM-Gastgeber von 2015 eine spielerisch überzeugende Vorstellung und blieb im 13. WM-Spiel in Serie ungeschlagen. "Mein Eindruck ist, dass die Mannschaft gegen einen ganz starken Gegner sehr, sehr gut spielt", sagte Merkel zur Pause in der ARD.
Pluspunkte sammelte zum Turnierstart vor allem Okoyino da Mbabi, die sich einen Tag vor ihrem 23. Geburtstag mit ihrem ersten DFB-Treffer ein vorzeitiges Geschenk bereitete. Mit ihrer Schnelligkeit in der Spitze übertraf sie Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz deutlich an Wirkung. In ihrem 23. WM-Spiel, womit sie Bettina Wiegmann als deutsche Nummer eins ablöste, wirkte die in diesem Jahr im DFB-Trikot noch torlose Frankfurterin glücklos. 

Nach 56 Minuten machte Prinz Platz für Jungstar Alexandra Popp. 
Torfrau Nadine Angerer hielt ihren Kasten lange sauber, musste aber am Ende dorch erstmals bei einer WM hinter sich greifen.


Überraschung in der Aufstellung

 
Mit ihrer Aufstellung hatte Trainerin Neid für eine Überraschung gesorgt. Die 47-Jährige ließ Sturmführerin Inka Grings zunächst auf der Bank und bot dafür Okoyino da Mbabi auf.
Die 22-Jährige wechselte sich mit der elf Jahre älteren Prinz in der Spitze ab. Melanie Behringer rückte in der Startelf auf die linke Seite.
Die deutsche Elf startete ohne Bammel vor der großen Kulisse und spielte von Beginn an schwungvoll nach vorne, die erste Chance bot sich aber den Gästen. In der 6. Minute lief Torjägerin Sinclair nach Simone Laudehrs Fehler allein auf das deutsche Tor zu, zielte aber zu hoch. Doch schon kurz darauf schwappte nach dem 1:0 durch Garefrekes erstmals die "La Ola"-welle durchs weite Rund. Nach Babett Peters Flanke war die Frankfurterin per Kopf zu ihrem 42. Länderspiel-Treffer erfolgreich. 


Sekunden zuvor hatte Kanadas Torfrau Erin McLeod gegen Garefrekes noch einen Rückstand verhindert können.


Deutsche Abwehr ist gefordert

Doch die offensiv eingestellten Kanadierinnen zeigten sich wenig beeindruckt und spielten weiter mutig nach vorne. Die deutsche Abwehr wurde nach mühelosen Testspiel-Siegen erstmals richtig gefordert und wirkte dabei nicht immer ganz sattelfest. In der 29. Minute verpasste Diana Matheson mit einem Distanzschuss den möglichen Ausgleich. In der Schlussphase der ersten Halbzeit zogen die die Gastgeberinnen die Zügel aber noch einmal an. Drei Minuten vor der Pause zog Okoyino da Mbabi kurz hinter der Mittellinie mit dem Ball los und vollstreckte eiskalt zum vorentscheidenden 2:0.
Nach dem Seitenwechsel stand das Geschehen ganz im Zeichen der DFB-Elf, die allerdings geradezu verschwenderisch mit ihren Torchancen umging. Allen voran Garefrekes ließ zwei klare Gelegenheiten aus. In der 57. Minute zögerte die 31-Jährige zu lange, neun Minuten später jagte sie ein Zuspiel von Popp über das leere Tor. Pech hatte Laudehr (77.) mit einem Lattenschuss.

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