Unser Essen wird immer teurer !

Lebensmittelpreise in Deutschland haben neue Höchststände erreicht. Schuld  sind nimmer satte Geldgierige Spekulanten , aber auch schlechte Ernten. Entspannung  nicht in Sicht. 


 Die Preise für Lebensmittel in Deutschland sind innerhalb eines Jahres drastisch gestiegen. Das zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Die Preise für Butter, Kartoffeln und Bohnenkaffee sind geradezu explodiert. Aber auch Weizen, Zucker und Kakao kosten deutlich mehr als noch vor einem Jahr.
Viele Verbraucher fürchten sich vor weiteren Kostenexplosionen bei den Lebensmitteln. Die "Bild"-Zeitung heizt die Aufregung an und präsentiert eine eigene Studie zum Preisschock. Quintessenz: "Lebensmittel bis zu 43 Prozent teurer."


Bereits im vergangenen Jahr wurden Lebensmittel teurer. Im Dezember lagen die Preise 3,6 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Das überrascht, denn zuvor sind die Lebensmittel jahrzehntelang gefallen.
Doch was sind die Gründe für derartige Preissteigerungen? Müssen wir auch langfristig tiefer ins Portemonnaie greifen?


"25 Prozent der Preissteigerungen durch Spekulanten" 

 

Ferdinand Fichtner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin vermutet, dass Rohstoffspekulanten eine große Rolle bei der Kostenexplosion spielen. Seiner Meinung nach ist der Effekt durch die Finanzkrise noch verstärkt worden.
Denn um ihr entgegenzuwirken, haben die Zentralbanken den Leitzins gesenkt. Dadurch sind Kredite günstiger geworden. Das führt dazu, dass die Menschen insgesamt mehr Geld investieren und anlegen – auch in Agrar-Rohstoffe. Die hohe Nachfrage treibt die Preise an. Die Folge: Preisexplosionen auf breiter Front. Der Börsenpreis von Kaffee hat sich seit 2009 fast verdreifacht, der von Zucker verdoppelt.


Eine Studie der Welthungerhilfe kommt zu dem Ergebnis, dass das Engagement von branchenfremden Kapitalanlegern von 2007 bis 2009 für Preissteigerungen von bis zu 15 Prozent verantwortlich ist. Fichtner von DIW schätzt sogar, dass etwa 25 Prozent der Preissteigerungen auf Spekulationen zurückzuführen sind.



Nicht nur die enorme Liquidität an den Finanzmärkten treibt nach Ansicht des Konjunkturexperten die Preise. "Auch die Tatsache, dass Anlagen wie griechische, portugiesische oder irische Staatsanleihen als unsicher gelten, treibt die Menschen an die Rohstoffmärkte."


Die Menschen leisten sich mehr und bessere Lebensmittel

 

In Europa dürfte dieser Effekt langsam wieder nachlassen, denn die Europäische Zentralbank hat den Leitzins im Euro-Raum bereits wieder angehoben. Doch die US-Notenbank Fed will wegen des schwachen Wirtschaftswachstums und der schwierigen Lage am Arbeitsmarkt bei ihrer Niedrigzinspolitik bleiben. "Die Rohstoffspekulanten sind ein anhaltendes Problem", so Fichtner. "Man sollte ihre Bedeutung für die Lebensmittelpreise nicht unterschätzen."
Ein weiterer Faktor für Preissteigerungen bei den Rohstoffen ist das starke Wirtschaftswachstum von Schwellenländern wie Indien oder China. Weil die Menschen sich mehr und bessere Lebensmittel leisten können, wächst die Nachfrage, was auch einen Effekt auf die weltweiten Preise von Weizen, Mais, Reis oder Soja hat.


"Wir haben einen Schwund an Ackerflächen"

 

"Die Gewinnung von Biokraftstoffen kurbelt zusätzlich die 
Nachfrage erheblich an", sagt Klaus-Jürgen Gern, Experte für Rohstoffmärkte am Institut für Weltwirtschaft (IFW) in Kiel. 40 Prozent der Maisproduktion in den USA etwa wird für die Produktion von Biosprit verwendet, was den Maispreis in neue Rekordhöhen getrieben hat.

Seit 2009 haben sich die Börsennotierungen glatt verdoppelt. Das wiederum hat Auswirkungen auf den Fleischpreis, da Mais ein beliebtes Futtermittel ist. Hinzu kommt, dass Anbauflächen knapp werden. "Es gibt zwar noch Reserven in Osteuropa oder Russland, aber wir haben genauso auch einen Schwund an Ackerflächen", so Gern. "Wüsten dehnen sich aus und Böden versalzen durch die Bewässerung."
Auch Ernteausfälle durch die Waldbrände in Russland – einem der wichtigsten Getreidelieferanten - im vergangenen Jahr oder die schlechte Maisernte in den USA, Überschwemmungen oder Trockenperioden spielen bei den gestiegenen Lebensmittelpreisen eine Rolle. Schlechte Nachricht für Verbraucher: Gern vom IFW und andere Experten sind überzeugt, dass langfristig die Lebensmittelpreise weiter steigen werden.

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