Pleite der City BKK - Wie finde ich eine neue Krankenkasse?

Neuerdings können Krankenkassen pleitegehen. Die Mitglieder müssen sich eine neue Versicherung suchen. Dem Gesetz nach ist das unkompliziert. In der Realität aber gibt es Schwierigkeiten. Fragen und Antworten zum Thema Krankenkasse.

Alte und kranke Leute, die bei der City BKK versichert sind, werden zur Zeit vertröstet, abgewimmelt, schlecht beraten. Viele Kassen wollen die teuren Versicherten der insolventen Kasse nicht übernehmen.
Die Jungen und die Gesunden werden hingegen mit offenen Armen empfangen.

 Wieso suchen so viele Versicherte gerade eine neue Kasse?


Die City BKK mit knapp 170.000 Mitgliedern stellt zum 1. Juli die Arbeit ein, weil die Kasse insolvent ist.
Die Versicherten dürfen sich frei eine neue Kasse wählen. Per Gesetz sind die anderen Krankenkassen verpflichtet, jeden Versicherten aufzunehmen.




Warum gibt es so viel Ärger um die Neuaufnahmen?


Die City BKK ist unter anderem deshalb in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weil sie besonders hohe Leistungsausgaben hat.
Sie versichert viele alte und kranke Menschen. Zudem hat sie ihre Schwerpunkte in Berlin, Hamburg und Stuttgart. Wegen der hohen Arzt- und Klinikdichte sind Versicherte in Großstädten für die Kassen grundsätzlich teurer als auf dem Land. Die Krankenkassen wenden nun zahlreiche Tricks an, um ihrer Pflicht zur Aufnahme dieser Versicherten zu entkommen.

Dürfen sich die Kassen vor Aufnahme nach dem Gesundheitszustand der Interessenten erkundigen?


Nein. Angaben zur Gesundheit dürfen nur private Versicherungen erfragen.
  Die gesetzlichen Krankenkassen sind zur Solidarität verpflichtet und müssen jeden aufnehmen und allen Mitgliedern die gleichen Leistungen gewähren.

Bekommt man bei der neuen Krankenkasse garantiert die Leistungen, die bislang auch die alte Kasse erbracht hat?


Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind zu 95 Prozent identisch. Es kann aber sein, dass die eine Kasse homöopathische Arzneien finanziert und eine andere nicht. Wer verschiedene Medikamente braucht, muss sich möglicherweise auf neue Pillen und Packungen einstellen, wenn die neue Kasse andere Arznei-Rabattverträge hat. Bei Pflegebedürftigen haben die Krankenkassen das Recht, die Pflegestufe vom Medizinischen Dienst überprüfen zu lassen.
Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass der Medizinische Dienst reihenweise die Neukunden der Kassen herabstuft.





Kann auch meine Krankenkasse pleitegehen?


Seit Anfang 2010 müssen zahlungsunfähige Kassen Insolvenz anmelden. Bei welcher Kasse das der Fall ist, entscheidet das Bundesversicherungsamt, das die Finanzen der Kassen überwacht.
Es ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Jahren noch mehr kleine Kassen schließen. Von den großen Kassen gilt die DAK als am stärksten gefährdet. Experten gehen aber davon aus, dass die Politik es nach Möglichkeit verhindern wird, eine Kasse mit mehreren Millionen Versicherten wie die DAK pleitegehen zu lassen.
Nach den Erfahrungen mit der Pleite der kleinen City BKK gilt dies wohl umso mehr.








Wie sieht die Lage bei der BKK für Heilberufe aus?


Diese Kasse mit Sitz in Düsseldorf, die bereits jetzt zehn Euro Zusatzbeitrag pro Monat nimmt, ist seit Jahren in finanziellen Turbulenzen, hat sich bislang aber immer wieder berappelt. Für das laufende Jahr erwartet sie ein Defizit von rund sieben Millionen Euro. 
 Nun musste die Kasse ihre drohende Zahlungsunfähigkeit dem Bundesversicherungsamt melden. Dies ist theoretisch der erste Schritt zur Schließung. Zurzeit bemüht sich die Kasse, durch eine Fusion mit einer anderen BKK die Schließung zu verhindern. Nach Angaben der Kasse gibt es Gespräche mit vier verschiedenen möglichen neuen Partnern.

Was müssen Versicherte konkret tun, wenn ihre Krankenkasse schließt?



Sie müssen den Aufnahmeantrag für eine neue Kasse ihrer Wahl ausfüllen und ihren Arbeitgeber über die neue Krankenkasse informieren. Rentner müssen dem Rentenversicherungsträger Bescheid geben. Bei Arbeitslosen ist die Arbeitsagentur Ansprechpartner.
Im Fall der City BKK haben die Mitglieder bis zum 14. Juli Zeit, in eine neue Kasse zu wechseln. Das ist zwei Wochen nach der offiziellen Schließung. Der neue Versicherungsschutz beginnt dann rückwirkend zum 1. Juli. Freiwillig versicherte Kassenmitglieder können sogar noch drei Monate rückwirkend von einer neuen Kasse aufgenommen werden.


Was passiert, wenn die Versicherten sich nicht selbst eine neue Kasse suchen?



Dann ist, je nach Lebenslage der Betroffenen, der Arbeitgeber, der Rentenversicherungsträger oder die Arbeitsagentur verpflichtet, den Versicherten bei einer anderen Kasse anzumelden.


Ist im Fall einer Kassen-Pleite die nahtlose Versorgung garantiert?




Ja. Für die Versicherten ist ihre Krankenkassenkarte entscheidend. Sie behält ihre Gültigkeit bis zur Schließung der Kasse. Im Fall der City BKK ist das der 30. Juni. Menschen, die Krankengeld erhalten, in einer Klinik behandelt werden oder denen die Finanzierung einer Kur zugesagt war, müssen dies ihrer neuen Kasse mit Belegen mitteilen. Dann werden die Leistungen übernommen.


Wer hilft, wenn eine Kasse Schwierigkeiten bei der Aufnahme macht?



In Berlin hat sich die Verbraucherzentrale eingeschaltet und bietet eine Hotline (Nummer: 030 8895-1200) an. Auch die City BKK hat eine Hotline geschaltet, bei der die Versicherten Tipps für den Wechsel bekommen. Beschwerden leitet die insolvente Kasse direkt an die Aufsichtsbehörde der Krankenkassen, das Bundesversicherungsamt, weiter.


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