Bakterium - EHEC - die Suche nach dem Schuldigen

Im Netz wird über die Herkunft des Erregers diskutiert.


Epidemie in Norddeutschland

Sprossen geraten als Ehec-Quelle in Verdacht


Haben niedersächsische Behörden die Ursache des Ehec-Ausbruchs entdeckt? Roh verzehrte Sprossen könnten sich als die lang gesuchte Infektionsquelle entpuppen. Einiges deutet darauf hin, allerdings stehen die entscheidenden Analysen noch aus. 



Erst waren es rohe Tomaten, Gurken und Blattsalate, vor denen die Behörden in Norddeutschland gewarnt haben. Die Produkte standen unter dem Verdacht, die Infektionsquelle des Ehec-Ausbruchs zu sein, bei dem inzwischen 21 Menschen ums Leben gekommen sind.
Doch eventuell haben sich die gefährlichen Bakterien auf einem anderen Lebensmittel verbreitet: Sprossen. Das teilte nun Niedersachsens Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) auf einer Pressekonferenz mit. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die mit dem Ehec-Erreger kontaminierte Ware bereits vollständig verarbeitet und abverkauft wurde.Ein Labornachweis für den Verdacht fehlt bisher - erste Ergebnisse werden am Montagvormittag erwartet. Die Indizienlage sei jedoch so eindeutig, dass das Ministerium empfiehlt, derzeit auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten. Die Sprossen seien bei allen größeren Ausbruchsgeschehen an die Gastronomiebetriebe geliefert worden, in denen später erkrankte Personen gegessen hatten.
Das Unternehmen, das verschiedene Sorten Sprossen heranzieht, hat seinen Sitz im Kreis Uelzen. Die Sprossen würden als Salatzutat vertrieben und seien zum rohen Verzehr vorgesehen. Zwei Mitarbeiterinnen des Betriebes seien an Durchfall erkrankt, bei einer wurde Ehec nachgewiesen. Der Betrieb wurde vorübergehend gesperrt.

Ideale Bedingungen zum Keimen

Nach Angaben des Ministeriums vertreibt die Firma 18 Sprossensorten, darunter Mungobohnenkeimlinge, Radieschensprossen, Erbsenkeime und Linsensprossen. Die Keimlinge werden in Trommeln bei einer Temperatur von 38 Grad Celsius mit Wasserdampf herangezogen. "Das sind auch optimale Bedingungen für das Keimen anderer Keime", sagte Lindemann.
Warum die Sprossen eventuell mit Ehec-Bakterien belastet sind, darüber konnte der Minister nur spekulieren. Er betonte jedoch, dass die Sprossen nicht mit Dünger herangezogen werden. Zuvor war spekuliert worden, dass mit Gülle verunreinigte Produkte zu dem Ehec-Ausbruch geführt hätten.
Möglich sei, dass das in den Trommeln versprühte Wasser belastet sei oder dass die Körner, die aus anderen Ländern geliefert wurden, bereits mit Ehec-Bakterien belastet waren, die sich dann in den Trommeln besonders schnell ausbreiten konnten, sagte Lindemann.
Der Betreiber des niedersächsischen Hofs kann sich die Vorwürfe nicht erklären. Er könne sich keinen Reim auf die Vorgänge und Vorwürfe machen, sagte der Geschäftsführer des Gärtnerhofs, Klaus Verbeck, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Salatsprossen würden überhaupt nicht gedüngt. Auch in anderen Geschäftsbereichen des Hofes werde kein tierischer Dünger verwendet. "Nicht einmal Hornmehl", sagte er der Zeitung.

Mehrere heiße Spuren

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums in Berlin sagte auf Anfrage, man wolle die labortechnische Untersuchung der Sprossen abwarten, bevor man weitere Schritte unternehme.
Die erste Warnung der Behörden nach dem Fund von Ehec-Bakterien auf spanischen Salatgurken hatte sich im Nachhinein als falsche Fährte entpuppt. Zwar befanden sich Keime auf dem Gemüse, doch die Bakterien gehörten nicht zu dem Stamm, der für den aktuellen Ausbruch verantwortlich ist.
Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, betonte, eine konkrete Ursache lasse sich immer noch nicht eingrenzen. Man gehe mehreren heißen Spuren nach, erklärte er beim Besuch des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf am Sonntag.
Das RKI erklärt seit Tagen: Solange die Infektionsquelle nicht eindeutig identifiziert sei, bleibe die Empfehlung bestehen, insbesondere in Norddeutschland auf rohe Gurken, Tomaten und Blattsalate zu verzichten. Minister Lindemann wies darauf hin, dass er diese Empfehlung nicht in Frage stellen wolle. "Wir gehen davon aus, das wir die neuen Erkenntnisse jetzt zusammen mit den Bundesbehörden intensiv weiter auswerten", so der Minister.

Radieschensprossen lösten Epidemie in Japan aus

Sprossen, genauer gesagt Radieschensprossen, waren die Ursache einer schweren Ehec-Epidemie, die 1996 in Japan grassierte. Damals infizierten sich rund 12.680 Menschen mit dem gefährlichen Darmkeim. Allerdings gab es vergleichsweise wenige Fälle des hämolytisch-urämischen Syndroms (Hus) - insgesamt 121.
In Deutschland haben sich beim aktuellen Ehec-Ausbruch seit Anfang Mai 1526 Menschen mit den Bakterien angesteckt, zusätzlich leiden 627 Patienten am Hu-Syndrom, wie der RKI-Präsident Burger am Sonntag mitteilte. Frauen sind überdurchschnittlich oft betroffen.Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) besuchte gemeinsam mit Burger das Hamburger Universitätsklinikum, um sich vor Ort einen Überblick über die Versorgung der Ehec-Patienten zu verschaffen. Kritik am Krisenmanagement wies der FDP-Politiker zurück. "Ich habe miterlebt, wie die Mitarbeiter in den Behörden mit Hochdruck daran gearbeitet und auch frühzeitig die Bürger mit Transparenz informiert haben", sagte Bahr.
Die Opposition hatte die Einrichtung eines Krisenstabes gefordert und die Bundesregierung kritisiert. Im Zusammenhang mit der Ehec-Erkrankungswelle ist am Mittwoch ein Treffen der Gesundheits- und Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern geplant.



HUS und die Folgen

Ein Gespräch mit Jobst Greeve, Chefarzt für Innere Medizin am St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn

Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe und blutiger Durchfall - so viel wissen wir schon zum Thema EHEC und was die Bakterien im menschlichen Körper anrichten. Richtig gefährlich wird es bei Patienten, die am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkranken.


Typisch für EHEC ist seine hohe Infektiosität; 100 Keime können bereits eine EHEC-Infektion nach sich ziehen, sagt Jobst Greeve vom St. Vincenz Krankenhaus in Paderborn. 
Zu Beginn leiden die Betroffenen an einer blutigen Durchfallerkrankung. Nur ein Teil der EHEC-Patienten erkrankt später auch am hämolytisch-urämischen Syndrom. Am St. Vincenz Krankenhaus sei bei 13 Patienten HUS aufgetreten, sagt Jobst Greeve.

Mehr Patienten als sonst erkranken an HUS


Früher gingen Ärzte davon aus, dass etwa zehn Prozent der EHEC-Patienten HUS entwickeln. "Die derzeitige Situation ist durch eine neuen Erreger ausgelöst worden", sagt Jobst Greeve, "der möglicherweise virulenter ist als früher." Das erklärt den höheren Anteil der Patienten, die in den vergangenen Wochen HUS infolge einer EHEC-Infektion entwickelt haben.

Anämie kann die Folge sein


Das hämolytisch-urämische Syndrom löst eine Verklumpung der Blutplättchen - Thrombozyten - im Kapillarbett aus. Das wiederum beeinflusst die roten Blutkörperchen, die nicht mehr genug Platz zur Zirkulation haben und platzen. "Daraus entsteht die sogenannte Hämolyse, das Auflösen des Blutes, und die daraus resultierende Anämie, die Blutarmut", erklärt Jobst Greeve.

Im schlimmsten Fall kommt es zu Nieren- und Hirnschäden


Die Ablagerung der Blutplättchen im Kapillarsystem habe auch zur Folge, dass Organe nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Besonders davon betroffen sind die Niere und das Gehirn. Nierenversagen und neurologische Schäden können die Folgen sein.



Wenn von Lebensmitteln Gefahr für die Gesundheit droht, sind Verbraucher besonders beunruhigt. Essen muss ja schließlich jeder. Aber wo dieses Essen herkommt und wie es produziert wurde, das kann in einer modernen Industriegesellschaft kaum noch jemand nachvollziehen - da hilft also nur der Glaube an die Versprechen der Erzeuger, der konventionellen und der ökologisch ausgerichteten; und der Glaube an die Wirksamkeit der behördlichen Kontrollen.




Seit ungefähr zwei Wochen häufen sich Meldungen über Infektionen mit dem aggressiven Darmkeim EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli); am Mittwochabend sprach das Robert-Koch-Institut eine offizielle Warnung aus: "In der Essenz empfiehlt das Robert-Koch-Institut vorsorglich bis auf weiteres, Tomaten, Salatgurken und Blattsalate vor allen Dingen in Norddeutschland nicht roh zu verzehren."

Pflanzliche Lebensmittel unter Verdacht



Dass der EHEC-Ausbruch offenbar durch pflanzliche Lebensmittel ausgelöst wurde, ist in Deutschland ein absolutes Novum - so auch nachzulesen in den Verbrauchertipps des Bundesinstitutes für Risikobewertung vom Januar 2011 (PDF).



Noch ist die genaue Ursache und das Ausmaß der Gefahr reichlich unklar - am frühen Mittwochmorgen wollte Tagesschau-Chefredakteur Kai Gniffke noch nicht mit dem Thema EHEC aufmachen: "Denn als Aufmacher würden wir den Zuschauern signalisieren, dass es wirklich dramatisch ist. ... Zu journalistischem Durchfall gibt es aber keinen Anlass." Am Abend, nach der Pressekonferenz des RKI, sah die Sache aber anders aus.
Inzwischen hat die Universität Münster bekannt gegeben, den genauen Erregertyp identifiziert zu haben, und mittlerweile gibt es sogar erste konkrete Hinweise auf kontaminiertes Gemüse: Möglicherweise sind Salatgurken aus Spanien der Auslöser der Infektionen.

Glaubenskrieg im Netz

 

Bis zur endgültigen Klärung der Umstände wird im Netz eifrig spekuliert - für einiges Aufsehen sorgte die Theorie des bekannten Virologen Alexander Kekule im Tagesspiegel. In eine ähnliche Kerbe schlägt eine Verschwörungstheorie auf der Webseite des Kopp-Verlages.
Im Netz wird allerdings hauptsächlich eine Art von Glaubenskrieg geführt: Ist der Biolandbau "schuld" an EHEC oder eben im Gegenteil, die konventionelle Landwirtschaft? Biolandwirtschafts-Kritiker argumentieren seit Jahren mit der angeblich höheren EHEC-Gefahr durch "biologische Düngung" - Bio-Befürworter weisen das zurück - zumal ja auch in der konventionellen Landwirtschaft Gülle ausgebracht werde.



Auch die Gegenthese findet sich an vielen Stellen im Netz: Die unnatürliche Ernährung von Rindern mit Getreide würde die Entwicklung von EHEC-Erregern begünstigen; das Argument wird wiederum von klassischen Veterinärmedizinern bezweifelt.
Beim Pro und Contra um Bio- oder konventionelle Lebensmittel geht es natürlich auch immer um wirtschaftliche Interessen - die deutschen Gemüsehändler sind über die Warnungen des Robert-Koch-Institutes nicht allzu erfreut.


Lassen sich Pestizide abwaschen?



"Die meisten Vitamine stecken in der Schale" heißt es. Was liegt also näher, als herzhaft in einen Apfel zu beißen, Trauben zu naschen oder eine leckere Rohkostplatte zu genießen? 

 Doch so appetitlich die Früchte auch aussehen: Auf den Schalen tummeln sich jede Menge unappetitliche Substanzen wie Pestizide, Konservierungsmittel und Wachs. Durch Waschen lassen sie sich erheblich verringern. Darauf weist die Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin hin. Bei Weintrauben beispielsweise lasse sich die Belastung durch gründliches Abspülen um bis zu 70 Prozent verringern. Doch wie sieht es mit Bio-Ware aus? Kann hier auf ein gründliches Waschen verzichtet werden? Und welches sind die besten Methoden, Obst und Gemüse zu säubern?


Äpfel und Birnen lauwarm waschen


Untersuchungen der Bundesforschungsanstalt (BFE) in Karlsruhe haben gezeigt, dass der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen in den Schalen von Äpfeln und Birnen bis zu sieben Mal höher ist als im Fruchtfleisch. Daher sollten die Früchte möglichst ungeschält verzehrt werden. Zuvor sollten Sie sie jedoch gründlich unter lauwarmem Wasser waschen. Bei gewachsten Äpfeln lässt sich die Oberflächenschicht gut mit Küchenkrepp abreiben. Trotz aller Sorgfalt sollte man eines jedoch wissen: Gebundene Pestizide unter der Schale, also im Fruchtfleisch, können nicht durch Waschen entfernt werden. Wer in punkto Pestizide auf Nummer sicher gehen sollte, sollte zu Bioprodukte, greifen. Der Einsatz solch giftiger Substanzen ist bei diesen schon beim Anbau verboten.

Bei Zitrusfrüchten die Schale säubern


Wirklich pestizidfreie Früchte gibt es nur im Bio-Laden. Fast alle Orangen und Mandarinen aus dem Supermarkt sind dagegen behandelt. Mit Hilfe von Pestiziden werden die Früchte haltbar gemacht, damit sie die weite Reise aus Südeuropa wohlbehalten und appetitlich aussehend überstehen. 


Da die Schadstoffe beim Pellen der Früchte von den Händen in dem Mund gelangen können, sollten die Früchte vor dem Verzehr gründlich mit Wasser gewaschen werden. Das gleiche gilt für Orangen und Grapefruits. Übrigens sollte man nicht das Weiße unter der Schale von Zitrusfrüchten entfernen, sondern mitessen. Der Grund: In diesen leicht pelzigen Teilen des Fruchtfleischs stecken besonders viele Stoffe, die gegen Bakterien wirksam sind.

Gemüsebürsten und Obstwaschmittel



Auch bei Karotten finden sich 85 Prozent ihrer gesunden Substanzen unter der Schale. Ähnlich sieht es bei Tomaten aus. Auch bei Rettichen oder Gurken macht Schälen wenig Sinn. Allerdings sollte man hier mit einer speziellen Gemüse-Bürste die raue Oberfläche gründlich säubern.
Besonders bei Salatgurken, die keine Bio-Ware sind, ist die Schale oft stark gewachst. Diese Schicht lässt sich jedoch mit einem speziellen Obst- und Gemüsewaschmittel, das unter anderem in Reformhäusern erhältlich ist, leicht und vollständig entfernen.

Muss auch Bio-Ware gewaschen werden?


Auch Früchte und Gemüse aus ökologischem Anbau sollten gründlich gereinigt werden. Gerade wenn sie nahe am Boden wachsen, sind sie oft stark verschmutzt. Außerdem kann auch Bio-Gemüse auf Felder wachsen, die neben stark befahrenen Straßen liegen-. Feinstaub und andere Schadstoffe lagern sich somit schnell auf den Blättern der Pflanzen ab und müssen vor deren Verzehr unbedingt entfernt werden.

Salate: Sanftes Putzen schont Vitamine


Wenn Blattsalate unter fließendem Wasser gesäubert werden, senkt das ihren Vitamin-C-Gehalt. Damit die wertvollen Nährstoffe erhalten bleiben, sollten Salate immer erst kurz vor dem Verzehr in einzelne Blätter zerteilt und in kaltem, stehendem Wasser gewaschen werden. Nach kurzem Schwenken den Salat rasch wieder herausheben und in einer Salatschleuder oder einem sauberen Küchentuch behutsam trocknen. Erst danach sollten die Salatblätter in mundgerechte Stücke zerpflückt werden.

Pilzbürsten - schonende Putzhelfer


Wild wachsende Pilze können mit Schwermetallen und Radioaktivität belastet sein. Bei ihrer Zubereitung ist unbedingt darauf zu achten, dass die Lamellen und die so genannte Huthaut gründlich entfernt werden. Dort nämlich befinden sich die höchsten Schwermetallkonzentrationen. Kulturspeisepilze wie zum Beispiel Champignons sind dagegen weder mit Schwermetallen noch mit radioaktiven Stoffen belastet. Bei ihnen reicht es, sie mit einer Bürste - idealerweise einer Pilzbürste - abzureiben. Weniger empfehlenswert ist es, sie in Wasser einzuweichen, da sie sonst an Aroma einbüßen.





EHEC: Firma wehrt sich

Madrid  - Ein Agrarbetrieb in Südspanien, aus dem eine der vom Hamburger Hygiene-Institut untersuchten Salatgurken mit dem EHEC-Erreger stammen soll, hat sich gegen die Vorwürfe aus Deutschland zur Wehr gesetzt.

"Ich habe das Gefühl, wir müssen als Sündenbock herhalten", sagte der Geschäftsführer der Firma aus Málaga am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Man habe in Deutschland anscheinend schnell einen Schuldigen gebraucht.

Die kontaminierte Gurke gehörte nach seinen Worten zu einer Lieferung, die am 12. Mai nach Hamburg gegangen war. Auf dem Großmarkt sei die Palette mit den Gurken jedoch Tage später zu Boden gestürzt. Das habe das Unternehmen von dem dortige Kunden erfahren.

Möglicherweise sei die Gurke dabei verunreinigt worden, ergänzte der Geschäftsführer. "Dass dies bei uns geschehen sein soll, ist jedenfalls völlig ausgeschlossen." Nach einem Hinweis aus Deutschland seien sowohl die auf Ökoprodukte spezialisierte Firma sowie die Zulieferer inspiziert worden. "Nirgendwo wurden EHEC-Erreger entdeckt."

"Wir haben nichts zu verbergen", betonte der Geschäftsführer weiter. Der Betrieb arbeite seit 1996 mit Importeuren in Deutschland zusammen und habe noch nie Probleme gehabt. "Wir haben sämtliche Qualitätszertifikate." Bitter sei, dass deutsche Kunden nun reihenweise Bestellungen stornierten. Das Unternehmen müsse mit täglichen Verlusten von Zehntausenden Euro rechnen.




Obst und Gemüse sollen durch kaltes Plasma sauber werden

Die Todesfälle durch EHEC-Keime in Deutschland haben für eine Diskussion darüber gesorgt, wie man Obst und Gemüse sicher reinigen kann. Bisher stehen neben Waschen noch Wärmebehandlung und chemische Verfahren zur Auswahl. Am Leibniz-Institut für Agrartechnik in Potsdam arbeiten Forscher jetzt daran, mikrobiologische Verunreinigungen durch kaltes Plasma in den Griff zu bekommen.
Plasma ist ein ionisiertes Gas, das eine keimtötende Wirkung hat. Auch in der Medizintechnik wird daran geforscht, um die Wundheilung zu unterstützen. Der Vorteil der Methode ist, dass die Pflanzen und Früchte nicht stark erhitzt werden müssen, Temperaturen um 30 Grad sollen hier ausreichen. Allerdings ist noch nicht klar, welche Auswirkungen das kalte Plasma auf die Oberfläche von Obst und Gemüse hat. Das Verfahren ist den Forschern zufolge grundsätzlich neu und muss noch weiter erforscht werden.

Kommentare

  1. Heute, um 13:52 Uhr
    Labor: EHEC-Erreger auf spanischen Gurken nicht Epedemie-Auslöser

    Hamburg (dpa) - Der auf spanischen Gurken in Hamburg entdeckte EHEC-Erreger hat offenbar nicht die Erkrankungswelle im Norden ausgelöst.

    Das habe eine entsprechende Laboruntersuchung bei zwei der drei sichergestellten spanischen Gurken ergeben, sagte die Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks. Bei den beiden Proben gab es keine Übereinstimmung mit dem Erreger des Typs O104, der aus den Stuhlproben der Patienten isoliert wurde. Weil die Quelle des Erregers noch nicht identifiziert ist, warnt der Hamburger Senat aber weiterhin vor dem Verzehr von Gurken, Tomaten und Salat.

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  2. Die Welle gefährlicher Ehec-Infektionen geht wohl doch nicht auf spanische Gurken zurück. Forscher fanden keine Übereinstimmung mit dem Erreger aus Stuhlproben. Die Suche geht damit von vorne los.

    Woher stammt der Ehec-Erreger, der zurzeit für die größten Ausbruch an Infektionen mit dem Darmkeim in Deutschland verantwortlich ist? Seit heute ist klar: Die auf spanischen Gurken entdeckten Bakterien sind wohl nicht daran schuld.

    Die Bakterien auf zwei der insgesamt vier Gurken stimmten nicht mit dem Erreger-Typ aus den Stuhlproben der betroffenen Patienten in Hamburg überein, teilte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) in der Hansestadt mit. Die Ursache für die Verbreitung des Erregers vor allem in Norddeutschland ist damit weiter unklar.



    "Unsere Hoffnung, die Quelle der schweren Komplikationsfälle mit HUS-Syndrom zu entdecken, hat sich bei diesen ersten Ergebnissen leider nicht erfüllt", sagte Prüfer-Storcks. "Nach wie vor ist die Quelle nicht identifziert."



    Gurken trotzdem nicht ungefährlich

    Die mit dem Ehec-Erreger belasteten Gurken sind der Gesundheitssenatorin zufolge aber deshalb nicht ungefährlich. Sie trügen einen Ehec-Erreger und könnten damit auch das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auslösen, das zu akutem Nierenversagen führen kann. Die Gurken seien damit potenziell gesundheitsgefährlich und hätten aus Verbraucherschutzgründen zwingend aus dem Verkehr gezogen werden müssen, sagte die Senatorin. Auch die offizielle Verzehrwarnung sei daher richtig. "Es wäre unverantwortlich, bei einer solchen Zahl von Erkrankungen einen begründeten Verdacht zurückzuhalten."



    In Hamburg waren auf vier Gurken Ehec-Erreger entdeckt worden, von denen drei aus Spanien stammten. Bei einer vierten Gurke ist die Herkunft weiter unklar. Sollte die Analyse der anderen Gurken ebenfalls keinen Hinweis auf den für den jüngsten Ausbruch verantwortlichen Keim-Typ liefern, bleibe die Suche nach den Ursachen weiter unklar, sagte der Geschäftsführer des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt, Hans-Joachim Breetz.

    Andere Lebensmittel weiter im Visier

    Die Hamburger Behörden untersuchen laut Prüfer-Storcks weiter alle denkbaren Ursachen für die Ehec-Infektionen, auch andere Lebensmittel. "Wir beproben sehr weitläufig", sagte die Senatorin. Hamburg ist ein Schwerpunkt der Erkrankungswelle. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde waren in der Hansestadt bis Dienstag 569 Fälle von Ehec oder Ehec-Verdacht gemeldet worden. 110 Patienten wurden demnach wegen der lebensbedrohlich Komplikation HUS oder dem Verdacht darauf in Hamburger Krankenhäusern stationär behandelt. Es sei "keine Entspannung sichtbar", sagte Prüfer-Storcks.

    Bundesweit starben bislang mindestens 15 Patienten nach einer Infektion mit dem Erreger. Auch aus Schweden wurde am Dienstag ein erster Todesfall gemeldet.

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  3. Der Ehec-Keim "Ehec" ist eine Abkürzung für Enterohämorrhagische Escherichia coli, eine gefährliche Variante der eigentlich harmlosen Kolibakterien. Bei Ehec handelt es sich um ein Darmbakterium mit der Eigenschaft, bestimmte Zellgifte, sogenannte Shigatoxine, zu produzieren, die bei Menschen schwere Erkrankungen auslösen können. Möglich sind etwa blutige Durchfälle oder als Komplikation das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), das ein Nierenversagen verursachen kann. Es gibt Hunderte verschiedener Ehec-Stämme. Den aktuellen Erreger haben die Forscher des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster identifiziert: „Es handelt sich um einen Vertreter des Typs ‚HUSEC 41’ des Sequenztyps ST678", sagt Institutsdirektor Helge Karch. Der extrem seltene Erreger wird auch Serotyp O104:H4 genannt. Als Serotypen werden verschiedene Varianten eines Bakteriums bezeichnet. Das O beschreibt hierbei die Oberflächenstruktur des Erregers, und das H steht für verschiedene Geißel-Antigene, mit denen das Bakterium sich fortbewegt. „Bei Ehec gibt es 186 O-Antigene und 53 H-Antigene, die in jeglicher Kombination auftreten können", sagt Mikrobiologe Lothar Beutin, Leiter des Nationalen Referenzlabors für Escherichia coli am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Somit gebe es zahlreiche Serotypen.

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  4. Ehec-Erreger entschlüsselt: Eine noch nie gesehene Gen-Kombination

    Deutsche und chinesische Experten haben das Erbgut des grassierenden Ehec-Bakteriums sequenziert. Darin findet sich eine bislang nicht beschriebene Neukombination von Genen.
    Jetzt kennen die Ärzte das Genom ihres Gegners: Mediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) haben mit Hilfe chinesischer Kollegen das Genom des aktuell grassierenden Ehec-Erregers gelesen. "Es handelt sich um eine so noch nie gesehene Kombination von Genen", sagte Bakteriologe Holger Rohde am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa.

    Die neuen Erkenntnisse helfen den betroffenen Patienten nach Erkenntnissen der Experten allerdings nicht unmittelbar, sondern müssen in den nächsten Wochen erst interpretiert werden. Dennoch ist den Medizinern ihr "Gegner" nun weit besser bekannt als zuvor.

    Allem Anschein nach haben für die neue Kombination zwei Bakterienstämme Teile ihrer Erbsubstanz miteinander ausgetauscht - in einer Art primitivem Sex. In der Summe entstand ein Escherichia coli (E. coli)-Bakterium, welches das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) auslösen kann, erläutert Rohde. Etwa 80 Prozent - Rohde spricht vom "Mutterschiff" - stammten vom E. coli-Stamm O104. Die übrigen 20 Prozent wurden von einem anderen Bakterium übernommen. In diesem Teil des Genoms sind Erbanlagen zur Produktion des gefährlichen Shigella-Toxins, das den Patienten jetzt Probleme bereitet.
    Tödlich durch primitiven Sex

    Die Arbeit gelang gemeinsam mit Kollegen des chinesischen Beijing Genomic Institute. Dieses verfügt über zahlreiche moderne Automaten, die genetische Sequenzen sehr schnell lesen können. Der unkomplizierte Kontakt wurde über einem chinesischen Gastwissenschaftler am UKE ermöglicht - "ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit unter Forschern", sagte Rohde.

    Bakterien können untereinander Gene austauschen. Mikrobiologen sprechen dabei von Konjugation, man kann den Vorgang aber auch als ursprünglichen, primitiven Sex bezeichnen. Dabei gehen mit Teilen der DNA Eigenschaften eines Keimes auf andere über - es kommt zu Mischformen. Die Keime lagern sich dafür nebeneinander und bilden eine Art Schlauch zwischen sich. So können sie genetisches Material austauschen.

    Auf diese Weise erwerben Bakterien neue Eigenschaften. Damit können sich die Keime besser an ihre Umwelt anpassen. Aber auch Resistenzen gegen Medikamente werden auf diese Weise verbreitet. "Der neue Keim ist ein Produkt einer ganz normalen bakteriellen Eigenschaft, um sich an seine Umwelt anzupassen", sagt Rohde. Wo dies geschehen sei - etwa in einem Tier, im Menschen, einer Pfütze, einer Kläranlage oder sonstwo - lasse sich aber nicht sagen.

    Mittlerweile 2000 Verdachtsfälle in Deutschland

    Am federführenden deutschen Labor für das Hämolytisch-Urämische Syndrom (HUS) - das ist die schwere Komplikation einer Ehec-Infektion - wird weiter mit Hochdruck daran gearbeitet, das Erbgut des Erregers zu deuten. Ebenfalls am Donnerstag teilte das Unternehmen Life Technologies in Darmstadt mit, das Genom des Erregers im Auftrag der Münsteraner Forscher gelesen zu haben. Bereits zu Beginn der Woche hatten auch die Münsteraner HUS-Experten darauf hingewiesen, dass es sich bei dem in Deutschland grassierenden Stamm um ein Hybrid handelt, der die Eigenschaften mehrerer Erreger in sich vereint.

    Vor allem in Norddeutschland nahmen die bestätigten Erkrankungen und der Verdachtsfälle sprunghaft zu. Niedersachsen meldete am zuletzt 344 Verdachtsfälle - 80 mehr als am Vortag. In Hamburg kletterte die Zahl um 119 auf 668 bestätigte oder Verdachtsfälle. In Schleswig-Holstein bereitet den Ärzten ein starker Anstieg neurologischer Komplikationen Sorgen. "Wir haben Patienten, die überhaupt keinen Durchfall haben, aber schwere neurologische Symptome", schilderte der Kieler Klinikdirektor Ulrich Kunzendorf. Ein Beispiel seien etwa epileptische Anfälle.

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  5. Arzt: " Etwas Ähnliches haben wir noch nie erlebt"

    "Es ist völliges Neuland. Etwas Ähnliches haben wir noch nie erlebt", sagt Michaela Kiemes, Stationsleiterin am Kieler Universitätsklinikum. Die 44-Jährige und ihre Kollegen betreuen seit fast zwei Wochen Patienten mit dem Ehec-Erreger, dessen beängstigende Auswirkungen sie täglich hautnah mitbekommen. "Wir schlafen schlecht, träumen schlecht. Man kriegt die Bilder der leidenden Patienten nicht aus dem Kopf", erzählt sie leise. Vor allem die neurologischen Ausfälle der Patienten machen Sorgen: "Wenn sich ihr Zustand verschlechtert, dann wird es dramatisch."

    Allein das Universitätsklinikum behandelt in Kiel und Lübeck rund 180 Ehec-Patienten stationär, darunter 95 mit dem lebensbedrohlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS). Etwa jeder zweite von ihnen bekommt zum Teil sehr schwere neurologische Komplikationen.

    Dabei werden die Patienten desorientiert, haben Wortfindungsstörungen, unkontrollierte Muskelzuckungen, zum Teil sind sie apathisch, zum Teil stoßen sie seltsame Laute aus. Manche haben derart starke Krampfanfälle, dass sie vorübergehend fixiert werden müssen, berichtet Kiemes.

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