Neues Gütesiegel: Rote Karte für Ekel-Restaurants

Hygiene-Offensive 
  Was der Restaurant-Tüv bringen soll
Verschimmelte Lebensmittel, verdreckte Töpfe, Ungeziefer: In so mancher Restaurantküche offenbart sich Abscheuliches. Und davor sollen Verbraucher künftig gewarnt werden. Deshalb haben sich die Verbraucherminister der Länder in dieser Woche mehrheitlich darauf geeinigt, ein spezielles Gütesiegel für Restaurants einzuführen.

"Die Verbraucher sollen - bildlich gesprochen - in die Küche schauen können, das ist wichtig für ein gutes Gefühl", sagt der NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel, dessen Ministerium federführend beim Restaurant-Tüv ist. Es gehe dabei um Transparenz und Offenheit für den Verbraucher, so der Grünen-Politiker. Tatsächlich bekommen die Kunden von dem Schmuddel hinter der Theke oft nichts mit.

Wie soll der Restaurant-Tüv funktionieren?

 

In Gaststätten und Imbissen soll daher künftig eine Art Plakette hängen, auf der die Kunden sehen können, ob alles in Ordnung ist oder ob die Lebensmittelkontrolleure Schmuddel-Alarm schlagen. Anstelle der bereits in Berlin, Nordrhein-Westfalen und im Ausland praktizierten Smiley-Kennzeichnung soll es aber voraussichtlich ein grün-gelb-rotes Balken-Symbol geben: Dabei steht grün für "Anforderungen erfüllt", gelb für "Anforderungen teilweise erfüllt" und rot für "Anforderungen unzureichend erfüllt."
Umgesetzt werden soll das System bis Ende 2011 oder Anfang 2012. "Bisher sind 13 Länder dafür, Bayern und Schleswig-Holstein sind dagegen, Baden-Württemberg hat sich enthalten", sagt der NRW-Minister.

Wie oft fallen Restaurants bei Kontrollen durch?

 

Deutschlandweit gibt es gut eine Million Gastronomiebetriebe - dazu zählen gute Restaurants genauso wie einfache Gaststätten und Imbisse. In etwa 30 Prozent aller Läden haben Lebensmittelkontrolleure etwas zu beanstanden - am häufigsten geht es um Hygienemängel.
"Die Leute wissen oft wirklich nicht, was sie tun", sagt der Berliner Lebensmittelkontrolleur Dr. Zengerling. "Sie kennen die einfachsten Hygieneregeln nicht, sie wissen nicht, bei welchen Temperaturen Lebensmittel zu lagern sind, sie wissen nicht, wie man Desinfektionsmittellösung richtig ansetzt. Und so weiter und so fort."


Gravierende Mängel - wie kann das sein?

 

In den vergangenen Jahren ist das Gaststättengesetz entbürokratisiert worden: Seit 2004 kann jeder einen Imbiss oder ein Restaurant aufmachen - fachliche oder berufliche Qualifikationen sind dafür nicht mehr vorgeschrieben. Dass immer häufiger elementare Kenntnisse über Hygiene und Lebensmittel fehlen, wundert die Lebensmittelkontrolleure daher nicht weiter.
Um daran was zu ändern, brauche es mehr Transparanz, sagt etwa der Berliner Lebensmittelkontrolleur Zengerling. Denn: Abmahnungen hätten an der Situation oft nicht viel ändert. Und: Auch Bußgelder würden häufig nicht abschrecken, wissen Verbraucherschützer.

Gibt es bereits Systeme, die die Verbraucher vor Schmuddel-Restaurants warnen?

 

Im Berliner Bezirk Pankow setzen die Behörden seit zwei Jahren auf drastischere Maßnahmen: Der zuständige Stadtrat Jens-Holger Kirchner von den Grünen und der Lebensmittelkontrolleur Dr. Zengerling haben ein bis dahin einzigartiges Modell-Projekt für mehr Transparenz ins Leben gerufen.
Gastronomiebetriebe, die bei Kontrollen in Berlin-Pankow wiederholt durchfallen, kommen auf eine Negativliste im Internet - mit Name, Adresse und Angabe der Mängel. Zudem gibt es eine Positivliste. Wer da draufsteht, bekommt einen Smiley-Aufkleber, auf dem steht "Alles sauber. Also rein!". Auf die Positivliste kommt man allerdings nicht automatisch, dafür muss man sich bewerben.
 
Abgeschaut hat die Berliner Behörde sich das System in Dänemark. Dort werden seit 2001 Restaurants und Imbisse, aber auch Apotheken, Supermärkte oder Bäckereien mit sichtbaren Bewertungen am Eingang versehen: Ein lachender Smiley bedeutet: alles in Ordnung, den freundllchen gibt es bei kleinen Mängeln und den bösen Smiley bei gravierenden Mängeln - und dann drohen außerdem Bußgeld oder Schließung.
Auch Nordrhein-Westfalen vergibt bereits seit Mitte 2007 Smileys - allerdings nur lachende. Auf die Veröffentlichung von Hygiene-Sündern wird dort verzichtet.

Verbesserte Rechte für Verbraucher

 

Grundlage für die Negativliste, mit der Berlin-Pankow bundesweit Schlagzeilen machte, war das neue Gesetz zur Verbraucherinformation, das 2008 in Kraft getreten ist. Seitdem haben Behörden die Pflicht, Verbraucher über Gesundheitsgefahren durch Lebens- und Futtermittel, Kosmetika sowie Bedarfsmittel zu informieren. Sie dürfen auch die Namen der Firmen bekannt geben, die beispielsweise vergammeltes Fleisch oder giftige Zusatzstoffe in den Handel gebracht haben. Und umgekehrt hat jeder Verbraucher das Recht, bei Ämtern gezielt Informationen zu Lebensmittel, Spielzeug, Textilien oder Wein anzufordern.
Und dass die meisten Verbraucher sich eine optische Kennzeichnungspflicht für Gaststätten wünschen, ergab jetzt auch eine Befragung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: 70 Prozent der Befragten forderten darin mehr Transparenz über die Ergebnisse der amtlichen Hygieneprüfung. Und: Diese Informationen sollten sowohl über die positiven wie auch über die negativen Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung informieren.

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