Medizin im Reagenzglas

Dürfen im Reagenzglas gezeugte Embryonen in Zukunft auf Genfehler untersucht werden? Der Bundestag debattiert über eine Neuregelung der umstrittenenen Präimplanationsdiagnostik.

Präimplantationsdiagnostik - das ist, kurz zusammengefasst, die Untersuchung von künstlich gezeugten Embryonen auf Gendefekte. Obgleich die PID in Deutschland als verboten gilt, wird sie dennoch durchgeführt und vom Gesetzgeber nur selten geahndet. Im Juli 2010 hatte der Bundesgerichtshof die Durchführung von Präimplantationsdiagnosen als nicht strafbar eingestuft.

Freispruch für PID-Arzt

 

Zum Hintergrund: Das Landgericht Berlin hatte einen Berliner Arzt freigesprochen, der wiederholt Präimplantationsdiagnosen durchgeführt und sich daraufhin selbst angezeigt hatte (Artikel von Zeit Online mit Hintergrundinformationen). Die Revision der Berliner Staatsanwaltschaft gegen dieses Urteil wies der Bundesgerichtshof in Leipzig im Juli 2010 zurück.

Die widersprüchliche rechtliche Lage in Deutschland

 

Nun herrscht Uneinigkeit: Ist die Präimplantationsdiagnose in Deutschland derzeit erlaubt oder verboten? Wie steht das Embryonenschutzgesetz zur PID? Demnach ist es nämlich möglich, Föten, die schwere Behinderungen aufweisen bis kurz vor der Geburt abtreiben zu lassen. Die PID könnte eben jene Folge einer Schwangerschaft vermeiden: Es würde gar nicht erst zur Einpflanzung des kranken Embryonen kommen. Strafbar macht sich im Moment in Deutschland derjenige, der "es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt". (Quelle: Gesetz zum Schutz von Embryonen).
Nun will der Bundestag eine Neuregelung des Embryonenschutzgesetzes angehen.
Oliver Tolmein stellt im Gespräch klar, dass die PID in Fällen schwerer genetischer Schädigungen zwar nicht erlaubt sei, aber auch nicht bestraft wird. Der Jurist und Wissenschaftsjournalist sieht allerdings im Vorstoß der FDP, die PID gesetzlich zu regeln, die Schwierigkeit festzulegen, was eine schwere genetische Schädigung ist.

Der internationale Vergleich

 

In anderen Ländern ist PID längst gang und gäbe (PID in Frankreich, Belgien und Großbritannien - eine Studie der Friedrich Ebert-Stiftung): So wird sie in Großbritannien - unter bestimmten Auflagen - praktiziert. Ebenso verhält es sich in Frankreich, Belgien und Dänemark. In den USA geht die PID am weitesten: Hier ist es sogar möglich, dass Eltern auf diese Weise das Geschlecht ihres Kindes auswählen.

 

 

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