Heuschnupfen: Die gelbe Gefahr

Die Allergie-Saison ist in vollem Gang: Ein gelber Film überzieht Autos und Gartenmöbel - und plagt manchen, der noch nicht unter Heuschnupfen gelitten hat. Darum ist es dieses Jahr so schlimm. 

An den vergangenen Tagen waren die Tische im Garten vielerorts gelb. Das lag nicht an den Tischdecken und auch nicht an Osterglockensträußen. Vielmehr waren Gäste eingeflogen, die so mancher lieber nicht gesehen hätte: Vor allem Birkenpollen, auf die besonders viele Menschen allergisch reagieren, sind seit einigen Wochen wieder in der Luft. 
Der gelbliche Film, der zurzeit Autodächer, Terrassen und Bänke überzieht, macht vielen Allergikern besonders stark zu schaffen - auch manchem, der zuvor noch nie Probleme mit Pollen hatte, kribbelt es in der Nase.


"Ob das wirklich eine Allergie ist oder ob es sich um Reizerscheinungen handelt, muss ein Arzt abklären", sagt Anja Schwalfenberg vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). "Fest steht allerdings: Im Moment haben Allergiker zu kämpfen." Das Wetter sei sehr lange sehr schön und trocken gewesen. "Daher ist die Pollenkonzentration in der Luft sehr hoch."

So schlimm wie nie zuvor?

 

Doch nicht nur die Birkenpollen belasten zurzeit Allergiker. "In dem Blütenstaub ist alles mögliche dabei", sagt Schwalfenberg. Der Pollenflug der typischen Frühblüher wie Hasel- und Erlen ist zwar weitgehend durch. Neben Birkenpollen sind nun unter anderem vermehrt Pollen von Esche, Buche, Ahorn, Platane und Eiche unterwegs. Auch die Gräserpollen, die hauptsächlich von Mitte Mai bis Mitte August fliegen und ebenfalls vielen Allergikern zu schaffen machen, sind mancherorts schon in geringen Konzentrationen vorhanden. 
Genauso wie die Pollen von Nadelbäumen, die allerdings nicht zu Allergien führen. Im Herbst folgen Unkrautpollen wie Beifuß und Traubenkraut.



Die Allergiesaison ist dabei nicht unbedingt schlimmer als andere, sondern nur konzentrierter. "Es handelt sich lediglich um zeitliche Verschiebungen", sagt Karl-Christian Bergmann vom Allergie-Centrum der Berliner Charité und Vorstand der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst. "Februar und März waren relativ kühl, daher geht es jetzt erst richtig los."

Immer mehr Allergien

 

                            Aggressive Mischung: Staub und Pollen   unter                                      dem     Elektronenmikroskop.

Geschätzt leiden bundesweit mehr als 20 Millionen Menschen an Allergien, etwa die Hälfte davon sind Pollenallergiker. "Tendenz steigend", sagt Schwalfenberg. Doch warum Allergien seit Jahren zunehmen, wissen auch Experten nicht genau. Sie vermuten, 
dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen. So könnten unter anderem längere Blütezeiten, immer mehr und durch Schadstoffe aggressivere Pollen neben veränderten Lebensumständen und der Veranlagung dafür verantwortlich sein.
"Leider kann man noch nicht genau sagen, warum jemand eine Allergie entwickelt und jemand anderes nicht", sagt Schwalfenberg.
Und auch das Alter schützt nicht vor einer Allergie: "Aus Beobachtungen an der Berliner Charité wissen wir zum Beispiel, dass die Zahl der 70-Jährigen, die in diesem Alter noch eine Allergie entwickeln, dort seit Jahren zunimmt", sagt Bergmann. Das Problem: "Wer einmal einen Heuschnupfen bekommen hat, leidet immer darunter - je nach Saison mal mehr, mal weniger stark", sagt der Lungenfacharzt.

Allergie behandeln lassen

 

Bei einer Allergie reagiert der Körper auf eigentlich harmlose Stoffe - wie Pollen oder Hausstaub. Kommt der Körper mit diesen Allergieauslösern in Kontakt, bildet er Antikörper, um sich gegen die vermeintlichen Feinde zu wehren. Dabei ist es das Eiweiß auf der Oberfläche und in den Pollen, das die überschießende Immunantwort auslöst. "Der Körper bildet nun jedes Mal Antikörper, wenn er mit den Allergieauslösern in Berührung kommt", sagt Bergmann. Diese Antikörper sorgen wiederum dafür, dass das Hormon Histamin freigesetzt wird, das die allergischen Reaktionen auslöst: Die Nase schwillt an, die Augen tränen und jucken, viele plagen Niesattacken.
"Bei jedem dritten Heuschnupfenpatienten geht die Allergie in allergisches Asthma über", sagt Bergmann. Er rät daher dringend dazu, einen Arzt aufzusuchen, wenn der Heuschnupfen von einem trockenen Husten begleitet wird. Auch generell gelte: "Eine Allergie muss behandelt werden." Bei der spezifischen Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, konfrontiert der Arzt den Körper gezielt und dosiert mit den Allergieauslösern - um das Immunsystem daran zu gewöhnen.

Kurze Verschnaufpause in Sicht

 

Mit Medikamenten könnten Betroffene zumindest die Symptome einer Allergie lindern. Daneben helfen auch einfache Tipps, sich die Pollen möglichst vom Leib zu halten. "Wer unter Heuschnupfen leidet, sollte sich zum Beispiel vor dem Zubettgehen die Haare waschen und die Kleider, die er tagsüber getragen hat, nicht mit ins Schlafzimmer nehmen", sagt Schwalfenberg.


In den kommenden Tagen kündigt sich zumindest eine Verschnaufpause für Allergiker an: Vielerorts ist Regen vorhergesagt, der die Pollen aus der Luft waschen könnte. "Die Temperaturen sinken auf unter 20 Grad, vor allem in der Mitte und im Süden Deutschlands gehen vereinzelt Schauer nieder", sagt Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst. "Im Nordwesten ist die Chance auf Regen am geringsten." Doch was viele freut, sind für Allergiker nicht gerade gute Aussichten: Schon am Wochenende steigen die Temperaturen wieder und die Sonne kommt raus. "Für Samstag und Sonntag sind wieder Temperaturen um die 24 Grad angekündigt", sagt die Meteorologin.

Kommentare