Damalige´s KultRadio Alptraumwelle auf UKW (Teil I )

Radio Brenner (später Südtirol 1) ist die Station, die über den längsten Zeitraum von Südtirol in Richtung Norden sendete - allerdings mit unterschiedlichem Erfolg und starken Schwankungen bei der Empfangsqualität. Natürlich kannten die Betreiber die Versuche von Jo Lüders, mit einem vernünftigen Signal Bayern zu erreichen - und natürlich wollten sie alles besser machen, als sie 1979/1980 in die Detail-Planungen einstiegen. "Wir orgeln alles nieder", lautete denn auch die großspurige Devise von Brenner-Chef Alfred Scholz, der vor allem den Bayerischen Rundfunk in Bedrängnis bringen wollte. Doch dieses Vorhaben misslang schon in den ersten beiden Jahren des finanziell äußerst aufwändigen Sendebetriebs.



Will man eine ernsthafte Konkurrenz für öffentlich-rechtliches Radio darstellen, bedarf es großzügiger finanzieller Mittel und eines Personalstamms, der sich in Größe und Kompetenz mit den in Bayern etablierten Stationen zumindest annährend messen kann. Darin waren sich die Betreiber von Radio Brenner einig. Kein Vergleich also zu dem reinen Unterhaltungsradio mit einem Minimum an Mitarbeitern, wie es Jo Lüders mit RBI praktiziert hatte. Die Vorgaben waren demnach klar: "Radio Brenner" sollte vom Start an 24 Stunden moderiert sein und auch journalistische Inhalte wie Nachrichten, Interviews etc. bieten. 

Es war ein mutiges Vorhaben, das sich die Betreiber auf ihre Fahnen geschrieben hatten: der Schweizer Wirtschaftsanwalt Dr. Rolf Egli, der Techniker Fritz Breitler (ex-RBI), die Werbeagentur Linnebach-Scholta, der Allkauf-Unternehmer Ackermanns und die Neue Constantin Film. Musikproduzent Alfred Scholz (Spitzname: "Millionen Alfred") sorgte als "Projektleiter" dafür, dass "Radio Brenner" schon Monate vor seinem Start in den Münchner Zeitungen vollmundig angekündigt wurde.
Inhaltlich und auch personell überschlug man sich mit Sensationsmeldungen: Thomas Gottschalk werde bei Brenner moderieren, hieß es etwa. Gottschalk sagte zwar ab, dafür kamen aber der gelernte Koch Bernd Kühl als Programmchef, Waldemar Müller, Susanne Eick (beide SDR), Dick Dale, Rainer Schauberger, Jürgen Kauer und noch einige mehr nach Sterzing, um bei der Radio-Revolution mit von der Partie zu sein. Das "Funkhaus" befand sich in der Startphase in der Sterzinger Rathausgasse.
 
(Photo Rechts) 
Waldemar Müller, Kult-Moderator von Radio Brenner, verstarb 2001. Er war seinerzeit vom Süddeutschen Rundfunk Stuttgart (SDR) nach Sterzing gekommen und hielt neben Programm-
chef Bernd Kühl am längsten durch.

Die Voraussetzungen schienen also ideal zu sein. Und als es nach einer Testphase im Mai 1981 mit "Radio Brenner" richtig los ging, wurden die Hörer vom Programm auch nicht enttäuscht. Doch es gab wieder mal ein anderes Problem: Obwohl sich die Antenne deutlich oberhalb der Zirog-Alm (RBI) befand, nämlich auf der ca. 2600 Meter hohen Flatschspitze, entpuppte sich auch dieser Senderstandort als mangelhaft. Die Initiatoren waren in der Vorbereitungsphase also offenkundig "geschönten" Messungen aufgesessen. Auch "Radio Brenner" erreichte München nur über Spiegelungen. Aber immerhin: Nördlich und auch westlich der Landeshauptstadt wurde das Signal deutlich besser. So war die Station in Augsburg und auch in Ingolstadt  schwankungsfrei zu empfangen. Schon nach kürzester Zeit schlug der BR wieder zu und belegte die Brenner-Frequenz 102,1 Mhz. Man wechselte daraufhin auf 104,05 Mhz.

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Bernd Kühl
im Sendestudio

Trotz dieser Widrigkeiten erfreute sich das Programm allerdings mangels Alternativen in Bayern schnell großer Beliebtheit. Die diversen Sendungen nannten sich unter anderem "Hello Good Morning", "Pop Shop", "Hörbar", "Relax", "Pop nach der Penne" oder "Dauerbrenner" und wurden aus technischen hochwertigen Studios gefahren: EMT-Plattenspieler, Mischpulte und Bandmaschinen von Studer und Sennheiser-Mikros gehörten zum Standard-Equipment. Die Investitionen standen allerdings von Beginn an in keinem Verhältnis zu den Werbeeinnahmen.
Bei einer ersten Bilanz-Prüfung konnte Geschäftsführer Alfred Scholz für Ausgaben in Höhe von 800.000 DM zudem keine Belege
vorweisen. Eine erste Krise deutete sich demnach bereits nach wenigen Monaten an. Das Team um Programmchef Bernd Kühl hielt allerdings zunächst noch wacker durch, sprach sich gegenseitig Mut zu.

(Photo Rechts)
Sendeanlage
auf der Flatschspitze


Auch als mit Dr. Rolf Egli einer der Investoren 1982 ausstieg, machte man sich keine größeren Sorgen. Dass sich Egli mitnichten aus der Radioszene Südtirols zurückziehen wollte, sondern lediglich einen neuen Partner suchte, verkannte man zu diesem Zeitpunkt völlig. Umso größer dürfte der Schock gewesen sein, als mit Egli als Investor 1983 "Radio Bavaria" (später Radio M 1) ein überraschendes Comeback feierte. Radio Bavaria schickte vom Schwarzenstein im Ahrntal (ca. 3400 m) dank Sichtverbindung nach München erstmals ein optimales Signal nach Bayern.
In einer Blitzaktion errichteten daraufhin die Techniker von Radio Brenner ebenfalls auf dem Schwarzenstein eine Antenne und einen Sender-Container - freilich ohne Genehmigung. Aber nur einen Tag vor der geplanten Inbetriebnahme versiegelte die Südtiroler Landesregierung die komplette Anlage. So funkte Radio Brenner weiter von der Flatschspitze. Da auch der Sendebetrieb von RBI/M 1 nach wenigen Monaten unterbunden wurde, war man ab Herbst 1983 immerhin wieder der einzige Südtiroler Sender, der gezielt Richtung Bayern abstrahlte - zumindest vorübergehend.

Nun folgten aber neue Probleme: Auf die Sendeanlage auf der Flatsch wurden gleich mehrfach Brandanschläge verübt, was immer wieder zu mehrtägigen Sendeunterbrechungen führte. Als im Sommer 1984 privates Kabel-Radio in München startete, verabschiedeten sich zudem einige hochkarätige 
 Moderatoren aus Sterzing.
Auch einige Investoren zogen sich zurück. Folge: Finanziell und auch personell musste Radio Brenner von diesem Zeitpunkt an kleinere Brötchen backen. Umso erstaunlicher war es, dass der große Traum, das Programm vom Schwarzenstein aus nach München zu senden, im Sommer 1986 doch noch wahr wurde. Gleichzeitig änderte die Station ihren Namen von "Radio Brenner" in "Südtirol 1".

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Das Brenner-Funkhaus in der Sterzinger Ortsmitte

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