Banker "katastrophal" überbezahlt

Während der Finanzkrise mussten Arbeitnehmer Einbußen hinnehmen, während sich andere die Taschen vollstopften. Ist das gerecht? BDI-Chef Keitel liefert in einem Interview erstaunliche Einsichten. 

© Tobias Hase/DPA Hans Peter Keitel, 63 ... ist seid
2009 Präsident des Bundesverbands der Deutschen 
Industrie (BDI). Zuvor war er Manager bei Hochtief.
Unter seiner Leitung wuchs das Unternehmen zu
einem internationalen Baubetrieb mit knapp
50.000 Mitarbeitern. Der studierte
Wirtschaftsingenieur sitzt in den Aufsichtsräten der
Commerzbank und Thyssen-Krupp.

Herr Keitel. Wie viel verdient man als BDI-Chef ?

Die Präsidentschaft ist ein Ehrenamt. Ich habe nur eine Aufwandsentschädigung und sonst nichts. 

Können Sie sich es leisten, für lau zu arbeiten?

 


Ich habe in der Vergangenheit gut
verdient und viel erreicht im Leben. Da kann ich auch etwas zurückgeben. 

Viele Arbeitnehmer können es sich nicht leisten, nur für die Ehre zu arbeiten. Die Gewerkschaften fordern einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle. Die IG BCE will sieben Prozent mehr, die IG Bau 5,9 Prozent. Gerecht?

 

Wir werden am Ende dieses Jahres andere Tarifabschlüsse haben als im vergangenen Jahr. Sicherlich gibt es an der einen oder anderen Stelle Nachholbedarf für die Arbeitnehmer – vor allem, weil der Staat sich im letzten Aufschwung das meiste Geld vom verdienten Einkommen genommen hat. 


Es geht doch um mehr. Die Arbeitnehmer haben in vergangenen Jahren Einbußen hinnehmen müssen, während die Managergehälter kräftig gestiegen sind. Ist das gerecht?

 

Es gab sicherlich Fälle, in denen Manager überzogen haben. Aber die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass heute über die Managervergütung viel verantwortungsvoller diskutiert wird als früher. Erst wurde nur das Gehalt des gesamten Vorstandes veröffentlicht, dann das des Vorsitzenden aber nicht der Kollegen. Wozu hat das alles geführt? Die Gehälter sind ständig nach oben angepasst worden. 

Und dann führten einzelne Banker, wie der Chef der Hypo Real Estate, ihr Institut in die Krise und stritten vor Gericht um ihr Gehalt. Tolle Vorbilder?

 

Ich will nicht über Einzelfälle richten. Aber der Banksektor zahlte Gehälter, die nicht daran gekoppelt waren, echte Werte zu schaffen. Das führte zu katastrophalen Übertreibungen. Ich bin auch nicht der Ansicht wie manche Investmentbanker, wonach man exorbitant hohe Gehälter zahlen muss, um gute Leute zu bekommen. Es gibt auch anderswo – zum Beispiel in der Industrie – kluge Köpfe. Manche Finanzleute haben sich ihren Personalmarkt selbst geschaffen. Das halte ich nicht für akzeptabel. 

Daimlerchef Jürgen Zetsche hat einen Gehaltssprung um 105 Prozent erlebt. Der Daimler-Arbeiter musste in den vergangenen Jahren um seinen Job fürchten.

 

Ich bin nicht Aufsichtsrat von Daimler. Aber natürlich haben Manager auch Einbußen hinnehmen müssen. 

Ihr Fall zeigt: Manager können auch bescheiden sein. Ein, zwei Millionen Euro sind auch ein schönes Einkommen. Sehen Sie sich als Vorbild?

 

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Jedes Unternehmen ist anders, jede Zeit ist anders. Jeder hat seine Wertvorstellungen. 

Wo sind Sie anders als ihre Kollegen, wenn Sie für sich entscheiden: Ich verlasse das Unternehmen ohne große Abfindung.

 

Diese Frage beantworte ich Ihnen nicht. Das ist meine persönliche Entscheidung. 

Die Gewinne der Firmen sind im ersten Halbjahr 2010 um 20 Prozent gestiegen, die Löhne um zwei Prozent. Gehen die Arbeitnehmer im Aufschwung wieder leer aus?

 

Schon deshalb nicht, weil viele 100.000 neue Jobs entstanden sind. Ich bin dagegen zu sagen, bei denen Gruppen kommt etwas an und bei denen nicht. Wir müssen schauen, dass wir für jene etwas tun, die was leisten. Das ist die breite Masse der Arbeitnehmer, wie die Facharbeiter, die Poliere. Die häufen alle keine Reichtümer an. 

Also brauchen wir Steuersenkungen?

 

In unseren BDI-Publikationen finden sie keine Äußerung, wo wir eine substanzielle Steuerermäßigung fordern. Auch vor der Bundestagswahl haben wir das nicht getan. Wir haben Vorschläge vorgelegt, wie der Mittelstandsbauch reduziert und der Haushalt konsolidiert werden kann. Steuerstrukturreformen sind das Thema der Industrie, nicht Steuersenkungen. 

Die Hälfte aller Haushalte zahlt keine Einkommensteuern, aber sie zahlen Abgaben für Rente, Krankenversicherung. Müsste man die Leute nicht eher bei den Abgaben entlasten?

 

Unbedingt, wo immer es möglich ist. Aber wir jammern auf einem hohen Niveau. Deutschland ist keine Wüste der Sozialgesetzgebung. In einem haben Sie recht: All das müssen wir auch im Kopf haben, wenn über den Atomausstieg nachdenken. Es geht darum, was wir uns leisten und wie wir unseren Wohlstand erhalten können.

Kommentare

  1. Geld reGIERt die Welt

    Oder auch: Banken regieren die Welt.
    Das kommt aufs Gleiche heraus.
    Geldgier war schon immer ein Problem. Und das wird sich auch nicht ändern. Aber die aktuelle Weltwirtschaftskrise hat wieder einmal drastisch vor Augen geführt, zu was solch eine grenzenlose Geldgier führen kann – nämlich zu einer wahrhaftig großen Krise mit schlimmsten Auswirken für viele Menschen. Weltweit.

    Man sollte meinen, die Verantwortlichen dieses Desasters – die geldgierigen Banker (damit meine ich selbstverständlich nicht alle Banker) hätten dazu gelernt. Sie sind verantwortlich für diese Wirtschaftskrise.

    Sie sind die Schuldigen. Viele, viele Menschen leiden durch ihr Verschulden, unzählige Unternehmen haben immensen Schaden davongetragen. Nur weil sie den Hals nicht voll kriegen konnten. Da müsste doch bei all diesen ein vor Reue nur so sprudelndes Schuldgefühl hochkommen?! Tut es aber nicht. Denn einige stecken anscheinend schon wieder die dicksten Gewinne ein – während die Wirtschaft sich noch längst nicht erholt hat.

    „Die Protagonisten von Gier und Geiz haben nichts dazu gelernt. Ohne jede Scham zocken sie weiter."

    Vorwurf des "Raubtierkapitalismus" - "Die Raubtiere laufen alle frei herum & suchen sich täglich neue Beute."

    Doch was kann man tun? Irgendwie müssen die Gierhälse, welche die Wirtschaft gefährden und sich selbst mehr und mehr bereichern – ohne jegliche Rücksicht auf Verluste – zu Fall gebracht werden. Politiker sind gefragt, sich einzusetzen.

    Ob ihnen das gelingen wird? Man kann nur hoffen. Etliche Menschen weltweit sind jedenfalls aufgebracht und wollen Köpfe rollen sehen (dies nimmt hoffentlich niemand wörtlich).

    Gegen die Banken-Machenschaften demonstrierten auf der Wall Street schon etliche US-Bürger, die von der Finanzkrise betroffen sind. Die Proteste hinterließen jedoch nach Angaben der Medien bis jetzt noch keinen großen Eindruck bei den Finanzgurus.

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