Krisenjournalismus , Nähe per Mausklick

Hat uns die Informationsflut zu den Ereignissen in Japan wirklich besser informiert, oder wollten wir einfach das Gefühl haben, nah dran zu sein?
Die tragische Japan-Katastrophe hat uns alle gefesselt. Wir hingen vor den Live-Tickern, um minütlich über die neusten Ereignisse aus Japan informiert zu werden. Unsere Twitter-Timelines und Facebook-Wände waren voll von Informationen aus dem Unglücksland. Es wurden Nachrichten weiterverbreitet, kommentiert und es wurde getrauert. Aber hat uns die Informationsflut wirklich besser informiert, oder wollten wir einfach das Gefühl haben, nah dran zu sein ?


Im Gespräch mit Japan-Korrespondent Jan Keuchel sagte er , die Informationen waren überlebenswichtig.

Japaner mit Mundschutz lassen sich von einem Mann im Schutzanzug auf Kontamination überprüfen.
Schlange stehen für die Untersuchung auf Kontamination. (AP)
Der Handelsblatt-Korrespondent hat das Erdbeben in einem U-Bahnhof in Tokio miterleben müssen. Für ihn war das ein einschneidendes Erlebnis: "Wir haben uns erst einmal in Sicherheit gebracht und dann über das japanische Fernsehen informiert. Es blieb nicht viel Zeit um sich auch noch vor dem Computerbildschirm zu hängen." Zwischenzeitlich kehrte er mit seiner Familie nach Deutschland zurück. In der Online-Ausgabe des Handelsblatts beschreibt er seine Eindrücke in einem Tagebuch. In Deutschland seien die Informationen aus Japan umfassender, wenn auch die deutschen Medien die Lage unterschätzen würden, so der Handelsblatt-Korrespondent.

Mittlerweile ist er wieder in Japan und wird im Online-Talk über seine Erlebnisse reden. (Lesetipp: Sein Tagebuch - Teil 1, 2, 3, 4)

Warum wollen wir dabei sein?

Autos, Häuser, Teile von Schiffen liegen in Trümmern, darüber dichter Rauch.
Das Ausmaß der Verwüstungen lässt sich bislang noch nicht abschätzen. (AP)
"Ich hatte das Gefühl genauso nah dran zu sein, wie beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs", sagt die Neue-Medien-Journalistin Ulrike Langer, "und ich wohne nur wenige hundert Meter Luftlinie vom Stadtarchiv entfernt." Sie hat sich bei beiden Ereignissen über Twitter informiert. Twitter ist dabei nicht unkritisch zu sehen: Es ist zwar das schnellste Medium, aber wie überprüfbar sind diese Informationen und wie können wir uns vor Unsinn schützen, der manchmal in unserer Timeline nervt? Im Online-Talk reden wir mit Ulrike Langer über die Funktion von Twitter bei solchen Katastrophen.


Wie viele Informationen können wir verarbeiten?

Explosion im Reaktorblock 3 im Kernkraftwerk Fukushima-Dai-ichi am 14. März 2011.
Explosion im Reaktorblock 3 im Kernkraftwerk Fukushima-Dai-ichi am 14. März 2011. (AP)
Rund um die Katastrophe von Japan lag die Aufmerksamkeit eindeutig auf den Live-Tickern der großen Nachrichtenwebseiten. Es gab Infos im Minutentakt. Das ist nicht nur eine Herausforderung für den Online-Journalismus, sondern auch für uns Konsumenten. Was passiert mit uns, wenn wir zu viele Infos konsumieren? Wollen wir wirklich informiert sein, oder das Gefühl haben, nah dran zu    sein?

Am Samstag sendet DRadio Wissen zwischen 11:00 und 12:00 Uhr die Live-Sendung Online-Talk mit Daniel Fiene und Herrn Pähler. Jeden vierten Samstag im Monat werden die beiden den Online-Talk moderieren. Wenn Sie mehr über das Modertorenteam erfahren möchten, dann besuchen Sie wasmitmedien.de - dort finden Sie den wöchentlichen Medienpodcast des Online-Magazins.

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