Keime – ständig anhaftend dabei

Wir  Menschen bestehen aus etwa 10 Billionen Zellen. Zehnmal so viele Bakterien leben jedoch auf und in uns! Sie sind die ältesten Lebewesen auf der Erde. Die meisten Mikroorganismen sitzen im Darm. Amerikanische Forscher haben jedoch herausgefunden, dass sich vergleichsweise deutlich mehr Keime auf einem Quadratzentimeter der Fingerspitzen tummeln als im Darm. Weitere Ballungen von Bakterienstämmen finden sich vor allem in Mund, Scheide, Kniekehlen, Achselhöhlen, im Bauchnabel oder hinter den Ohren.


Jeder Mensch hat seine eigene Zusammensetzung von Bakterien, eine Art "bakteriellen Fingerabdruck". Die Keime werden von der Mutter auf das Kind oder von einem Lebenspartner auf den anderen übertragen. Ehepartner teilen neben Tisch und Bett auch ihre Bakterienstämme.

 Auch mehr als 300 Jahre nach Entdeckung der ersten Bakterien, kennen wir vermutlich erst einen Bruchteil ihrer Arten. Experten schätzen, dass ungefähr 95 Prozent aller auf der Erde lebenden Bakterien unbekannt sind. Am richtigen Ort sind die Keime meist harmlos, häufig recht nützlich und zum Teil sogar lebenswichtig.

Nützliche Darmbakterien ermöglichen eine gute Verdauung, wehren krankmachende Mikroorganismen ab und unterstützen die Verwertung von Vitaminen und anderen Nährstoffen. Am falschen Platz können Keime aus dem Dickdarm zum Beispiel eine Blasen- oder Nierenentzündung auslösen.

Überlebenskünstler staphylococcus aureus

Es kommt fast überall in der Natur vor. Etwa 20 bis 30 Prozent aller Menschen haben es auf der Haut und in den oberen Atemwegen, das staphylococcus aureus, was übersetzt so viel heißt wie "goldenes Traubenkügelchen". Was so harmlos klingt, ist es auch in der Regel. Erst wenn das Immunsystem des Menschen geschwächt ist oder wenn es günstige Lebensbedingungen vorfindet, breitet sich das Bakterium mit dem schönen Namen explosionsartig aus und löst Hautinfektionen wie Furunkel und Karbunkel, Muskelerkrankungen und in seltenen Fällen schwere Entzündungen des Herzen oder Lunge und eine Blutvergiftung (Sepsis) aus.


Antibiotikaresistente Keime

Das staphylococcus aureus gehört zu den Bakterien, die gegen Antibiotika unempfindlich werden können. Der Begriff Antibiotikum kommt aus dem Griechischen. "Anti" steht für "gegen", "Bio" kommt vom bios und bedeutet "Leben". Antibiotika sind demnach Medikamente, die gezielt das Wachstum und damit das Leben von Mikroorganismen hemmen. Der bekannteste Arzneistoff dieser Gruppe ist das Penicillin.

Eine Antibiotikaresistenz liegt vor, wenn ein Keim widerstandsfähig wird gegen ein Antibiotikum, durch das er normalerweise zugrunde gehen würde. Weltweit ist die Entstehung und Verbreitung solcher resistenten Bakterien zu einer ernstzunehmenden Gesundheitsgefahr geworden. Besonders bekannt ist der der Methicillin-Resistente staphylococcus aureus, bekannt unter der Abkürzung MRSA. Jedes Jahr stecken sich allein in deutschen Krankenhäusern und Pflegeheimen eine halbe Million Menschen damit an. Immer mehr Patienten überleben den wochen- und monatelangen Kampf gegen die Infektion nicht, weil die Bakterien nicht auf Antibiotika ansprechen.

Magengeschwüre gehen ebenso auf das Konto von Bakterien, wie Lungenentzündungen oder eine Blutvergiftung. Dann beginnt ein Kampf auf Leben und Tod. Die Bakterien tragen immer häufiger den Sieg davon.

Die Sepsis ist mittlerweile die dritthäufigste Todesursache hierzulande, denn einige dieser Bakterienstämme sind unempfindlich gegen Antibiotika geworden. Sie richten vor allem in Krankenhäusern viel Unheil an. Zu ihnen gehört das staphylococcus aureus. Da das Bakterium vielen Antibiotika trotzt, bezeichnet man es als multiresistent.

Riesen & Zwerge

Bakterien sind 100 Mal größer als Viren. Doch viel wichtiger als der Größenunterschied ist die Tatsache, dass Bakterien einen eigenen Stoffwechsel haben und somit eigenständige Lebewesen sind, die sich durch Zellteilung vermehren. Ein Virus kann nicht selbstständig existieren, da es nur aus einer Hülle und einem Erbgut besteht. Um zu überleben und sich zu vermehren braucht es immer eine fremde Zelle als Wirt.

Keimschleuder Kühlschrank

Die meisten Keime befinden sich übrigens nicht etwa auf der Toilette. Nach einer amerikanischen Studie leben 100 Mal mehr Bakterien in Kühlschränken. Die höchste Dichte fände sich aber auf der Computertastatur von öffentlichen Orten, wo viele Leute denselben Rechner benutzen.

Ein gesunder Körper wehrt sich

Bakterien können grundsätzlich über Wasser, Boden oder Luft, über Körpersubstanzen wie Blut, Stuhl, Urin und Körpersekrete oder über den Kontakt mit Tieren oder tierischen Produkten übertragen werden. Ein gesunder Körper wehrt Eindringlinge zum großen Teil über die Hautbarriere, die Darmschleimhaut, den sauren Magensaft, den Hustenreflex oder die feinen Nasenhärchen ab.

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